Erst Container, dann Suche nach Ausbau-Flächen

Der Stadtrat hat entschieden, dass Meißen weiterhin nur ein städtisches Gymnasium unterhält. Damit wird die Frage nach einer Vergrößerung des Franziskaneums dringend.

Aufatmen am Franziskaneum: Meißen wird auf absehbare Zeit kein zweites städtisches Gymnasium bekommen. Schüler-Abwanderung vom Ratsweinberg ist also nicht zu befürchten.

Mit der Entscheidung, die Meißens Stadträte bei ihrer Klausursitzung Ende Januar trafen, bleibt jedoch ein Problem akut: Das Franziskaneum ist dem derzeitigen Ansturm von Schülern nicht gewachsen ... und dauerhafte Abhilfe gegen die Platznot des Gymnasiums ist noch nicht in Sicht.

Bürgermeister Markus Renner nennt die aktuellen Zahlen. Man rechne für dieses und die nächsten Jahre mit jährlich rund 150 Anmeldungen von Fünftklässlern. Das entspreche sechs neuen Klassen pro Jahrgang. Ausgelegt sei die Schule aber nur für 4,5 „Züge“: Damit könnten abwechselnd vier und fünf neue Klassen pro Jahr aufgenommen werden.

Die nun dauerhaft erwarteten sechs Züge pro Jahrgang könnten auch auf zwei Schulen verteilt werden. In Sachsen müssen Gymnasien mindestens drei Klassen pro Jahrgang haben: Rechnerisch wären also zwei städtische Gymnasien in Meißen erlaubt. Für eine ausreichende Größe der neuen Schule müsste dann aber das Franziskaneum verkleinert werden. Das sei nun ein maßgeblicher Grund, auf das zweite Gymnasium zu verzichten, sagt Bürgermeister Markus Renner: „Wir wollen eine Schwächung des Franziskaneums vermeiden.“

Als 2018 erstmals um die eventuelle Gründung eines zweiten Gymnasiums gestritten wurde, hatte der Meißner Stadtrat einen Variantenvergleich beschlossen. Nach Abwägen von Für und Wider sollte entschieden werden, ob eine neue Schule ins Leben gerufen oder das Franziskaneum ausgebaut wird. Diese Entscheidung ist nun offenbar gefallen, ohne dass der Bürgerschaft etwas von den Pro- und Kontra-Argumenten näher erläutert wurde.

Ab jetzt gehe es nur noch um die Frage, wie das Franziskaneum erweitert werden könne, so der Bürgermeister. Vor der Entscheidung des Stadtrats habe die Verwaltung im gesamten Stadtgebiet etwa zehn potenzielle Standorte für ein zweites Gymnasium geprüft, sagt Renner. Nachdem sich im Stadtrat keine Mehrheit für die Schulneugründung abzeichne, konzentriere die Verwaltung ihre Kräfte nun auf die Planungen für die Erweiterung des bestehenden Gymnasiums. „Wir können nicht für den Papierkorb arbeiten.“

Vor einer Vergrößerung des Franziskaneums sind jedoch noch einige Hürden zu nehmen. In städtischem Besitz ist auf dem Ratsweinberg aktuell das Weinbergsgelände vor der Schule. Diskussionen um eine eventuelle Bebauung hatten im vergangenen Jahr die Pächterin, die Sächsische Winzergenossenschaft, auf den Plan gerufen. Weitere Flächen für eine Schul-Erweiterung müsste die Stadt zunächst erwerben.

Klar sei bereits, dass das Franziskaneum eine neue Drei-Feld-Sporthalle bekommt, sagt Bürgermeister Markus Renner. Die Halle wird für den Sportunterricht dringend benötigt. Ebenso unstrittig sei die Sanierung von „Haus B“ des Franziskaneums, der sogenannten Weinbergschule.

Im jüngst beschlossenen Nachtragshaushalt der Stadt für das Jahr 2019 ist ein mittlerer sechsstelliger Betrag für die Aufstellung von Behelfsklassenzimmern auf dem Schulhof vorgesehen. Diese Containerbauten sollen nicht nur die Auslagerungen während der Sanierung von „Haus B“ ermöglichen. Sie dienen auch dazu, die Platznot der Schule durch den Schüleransturm zu lindern – so lange, bis eine dauerhafte Erweiterung des Franziskaneums möglich ist.