Votum gegen eine Sperrung am Plossen

Gerade für Lkw ist die Meißner Plossenkurve ein Nadelöhr Foto: Archiv

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, andere Behörden und Unternehmen positionieren sich gegen eine Tonnagebegrenzung. Sind der Stadt Meißen nun die Hände gebunden?

Für die Plossenauffahrt in Meißen soll es keine Tonnagebegrenzung und damit auch kein Fahrverbot für Schwerlastverkehr geben. Das sei das Ergebnis eines Treffens von Vertretern des zuständigen Landesamts für Straßenbau und Verkehr (LaSuV), Polizei, Verkehrsgesellschaft, Abfallwirtschaft und Landkreis-Behörden zu dem Thema, teilt die Meißner Stadtverwaltung mit.

Der Verkehr auf der sanierungsbedürftigen Plossenauffahrt sorgt in Meißen für Debatten. Die Strecke ist Teil der Staatsstraße 177, seit Jahren wird an ihrer Sanierung geplant. Das Wie sorgt aber für Streit: Kritiker werfen dem LaSuV vor, einen überdimensionierten Ausbau anzustreben und damit noch mehr Schwerlastverkehr in die Stadt zu ziehen. Die Sanierungspläne müssten abgespeckt werden. Zudem sei auf der Strecke umgehend per Tonnagebegrenzung ein Durchfahrtsverbot für schwere Lkw zu erlassen. Letzterer Forderung hatte sich die Mehrheit der Meißner Stadträte angeschlossen.

Doch Landesamt, Polizei, die anderen angehörten Behörden und Unternehmen spielen beim Aussperren offenbar nicht mit. Holger Wohsmann, Chef der Meißner LaSuV-Niederlassung, wiederholte Argumente, die er bereits bei Diskussionsrunden in Meißen angebracht hatte. Die S 177 sei ein Verkehrsweg höchster Kategorie. Deshalb sei dort der Ausbau auch für den Schwerlastverkehr unumgänglich. Auf der S 177 seien fünf Prozent der Fahrzeuge Lkw, auf Bundesstraßen liege dieser Anteil bei zwölf Prozent. Zudem werde der aktuelle Zustand des Plossenaufstieges regelmäßig geprüft: Er rechtfertige ebenfalls keine Sperrung für den Schwerlastverkehr.

Von einer Sperrung für schwere Fahrzeuge wären nicht nur Speditionen, sondern auch Ver- und Entsorgungsbetriebe betroffen. Zum Beispiel der Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal (ZAOE), dessen Müllfahrzeuge beträchtliches Gewicht haben. Die Entsorgung über mögliche Umleitungsstrecken sei sehr schwierig, so die Position des ZAOE. Auch die Nutzung eines kleineren Fahrzeuges sei angesichts der auf dem Plossen anfallenden Abfallmengen unrealistisch.

Die Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) hätte dagegen weniger Probleme mit einer Tonnagebegrenzung. Drei ihrer Buslinien führen über den Plossen, doch gefahren werden sie mit Fahrzeugen, die weniger als 18 Tonnen wiegen. Der VGM geht es eher um den künftigen Ausbau. Im jetzigen schmalen Schnitt der Plossenkurve bleiben immer wieder Lkw liegen und blockieren den gesamten Verkehr auf der wichtigen Route. Würde die Kurve nicht ausgebaut, bliebe diese Gefahr bestehen.

Das Fazit klingt klar: Nach Abwägung aller Fakten habe sich auch die zuständige Fachaufsicht gegen die geforderte Beschränkung positioniert, berichtet die Meißner Stadtverwaltung. Entgegenkommen signalisiert das LaSuV dagegen bei einem weiteren Streitpunkt: der Verkehrsführung während der anstehenden Sanierungsarbeiten am Plossen. Bislang war von einer monatelangen Vollsperrung für alle Verkehrsteilnehmer die Rede gewesen. Für Autofahrer bleibt es wohl absehbar schwierig. Immerhin: Man optimiere die Planungen und prüfe mögliche Umleitungen und Alternativen, so Niederlassungsleiter Holger Wohsmann. Das Ziel sei nun, die Baustelle während des gesamten Bauzeitraumes wenigstens für Fußgänger und Radfahrer geöffnet zu halten.

Während die Meißner Stadtverwaltung nach dem Treffen argumentiert, ihr seien beim Thema Plossen die Hände gebunden, wird diese Meinung aber nicht überall geteilt. So fordert zum Beispiel die Meißner SPD die städtische Verwaltung auf, dennoch auf eigene Faust eine Tonnagebegrenzung einzuführen. Die Verantwortung dafür dürfe nicht an andere Stellen delegiert werden, so der Meißner SPD-Vorsitzende Eyk Schade. Die Stadtverwaltung sei eine Straßenverkehrsbehörde und könne mit Verkehrszeichen auch Einschränkungen erlassen.