Gegründet als Papier noch Luxus war

Chefin Annette Brück gibt den Verlag "Brück & Sohn" ab. Zum Ende der Familienära in dem Meißner Unternehmen widmet das Stadtmuseum dem Verlag nun eine Ausstellung Foto: Archiv

Das Meißner Stadtmuseum widmet dem Verlag "Brück & Sohn" eine Ausstellung. Anlässe sind das 225. Jubiläum des Unternehmens und eine Zäsur in dessen Geschichte.

„Als Papier noch Luxus war“ wurde in Meißen der Verlag „Brück & Sohn“ gegründet. Das war im Jahr 1793. Buchbinder Carl Friedrich August Brück war aus Freiberg nach Meißen gekommen und baute hier ein Unternehmen auf, das Bücher und Kalender herausbrachte. Sohn Karl August Brück übernahm die Firma, nach ihm sein Sohn ... Über sieben Generationen wurde der Name Brück in Meißen zum Synonym für „Verlag“.

In diesem Jahr endet die Ära. Chefin Annette Brück, die „Brück & Sohn“ durch die vergangenen drei Jahrzehnte geführt hatte, kündigte an, das Familienunternehmen zu verkaufen. Ihre Kinder werden den Verlag nicht übernehmen.

Der Abschied der Brücks aus dem Verlagswesen ist eine Zäsur. Im Stadtmuseum Meißen nutzt man sie für eine Rückschau: Die neue Sonderausstellung des Hauses unter dem Titel „Als Papier noch Luxus war“ beleuchtet die 225-jährige Geschichte von „Brück & Sohn“.

Es gibt mehr als genug Stoff für eine Ausstellung mit hohem Schauwert. Schönes, Besonderes, Sehenswertes auf Papier zu bringen ist schließlich seit über 200 Jahren das Metier von „Brück & Sohn“. Davon zeugen Bücher, Kalender, Briefmarken. Um das Jahr 1900 war der Meißner Verlag sogar ein „Global Player“: mit Ansichtskarten.

Das Postkarten-Geschäft prägte das Unternehmen und machte es weit über Meißen hinaus bekannt. Der Verlag von der Burgstraße brachte Motive aus Meißen, Radebeul, Dresden, Bautzen heraus: Das lag im doppelten Sinne nahe. Doch „Brück & Sohn“ war mit seinen Ansichtskarten nicht nur in Sachsen und Deutschland, sondern in ganz Europa, in Amerika, China und Australien vertreten.

Nahezu alle Postkarten-Motive, die „Brück & Sohn“ je herausbrachte, wurden im hauseigenen Archiv katalogisiert. Es sind knapp 34.000, ein wahrer Schatz kulturhistorischer Schatz. Annette Brück und ihr Mann Helmut haben ihn schon vor einiger Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Jedermann kann heute in den Motiven stöbern. Der größte Teil der Postkartensammlung findet sich in digitaler Form in den Wikicommons. Zudem übernahm die Deutsche Fotothek tausende der Fotoplatten und -filme des Verlags.

Die Ausstellung im Meißner Stadtmuseum trägt ebenfalls dazu bei, das Erbe von „Brück & Sohn“ zu bewahren. Und Annette und Helmut Brück tragen zur Schau bei: Sie arbeiteten bei der Vorbereitung mit dem Stadtmuseum zusammen und gestalten nun das Rahmenprogramm mit. Am Freitag, dem 19. Oktober, berichten sie ab 18.00 Uhr in einem Vortrag von einer Reise, die sie 2013 in die USA führte. Dort begaben sich die Brücks auf Spuren der Verlagsgeschichte und waren in 52 der 87 nordamerikanischen Städte, von denen „Brück & Sohn“ einst Postkarten produziert hatte.

Familiengeschichte spielte bei der Reise ebenfalls eine wichtige Rolle. Annette und Helmut Brück knüpften neue Kontakte zu einem Zweig der Familie, der vor 170 Jahren von Meißen nach Amerika ausgewandert war. Auch davon berichten sie in ihrem Vortrag im Stadtmuseum am Heinrichsplatz. Der Eintritt dazu kostet vier, ermäßigt drei Euro.