Im Meißner Kino: Eine Frau "Gegen den Strom"

Der isländische Film zeigt eine Frau auf ihrem Feldzug gegen Naturfrevel - und das auf sehr besondere Art.

Diese Isländer! Können nicht nur während einer Fußball-EM ganze Stadien mit ihrem Schlachtruf und einer Choreographie, die fast Dynamo-Dresden-Qualität erreicht, in Ekstase versetzen. Sie begeistern auch noch mit wunderbaren Filmen.

„Gegen den Strom“ heißt ihr Geschenk für Kinofans: eine Komödie mit ernstem Anliegen. Eine Heldinnen-Geschichte, in der erfreulicherweise endlich mal eine ‚ganz normale Frau‘ Anfang 50(!) im Mittelpunkt steht, die in ihrem Alltag einen Chor leitet und parallel dazu im Geheimen die örtliche Schwerindustrie bekämpft.

Ausgerüstet mit Pfeil und Bogen, handlichem Schweißgerät und viel Motivation begibt sich Halla (Halldóra Geirharðsdóttir) regelmäßig in die unbewohnte Weite der isländischen Insel, um dort unbeobachtet und mit viel Raffinesse Leitungen zu kappen und wenn nötig sogar Strommasten zu Fall zu bringen. Ihr Ziel: reichen Investoren das Geschäft zu vermiesen und der Natur weitere Verschandelung zu ersparen. Ein Ansinnen, das aufgrund immer besserer Überwachungsmethoden der Polizei zunehmend schwerer zu realisieren ist.

„Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär’ nur deine Schuld, wenn sie so bleibt“, sangen Die Ärzte ziemlich treffend. Es könnte der Soundtrack zu Hallas Leben sein, die hier – zum Glück – weder als engstirnige Eigenbrötlerin noch realitätsfremde Ökoterroristin dargestellt wird.

Nein, Regisseur und Drehbuchautor Benedikt Erlingsson inszeniert sie vielmehr als intelligente, aufmüpfige (nicht „besorgte“!) Bürgerin, die sich von Nelson Mandela und Gandhi inspirieren lässt und ihr Mobiltelefon schon mal ins Eisfach legt, wenn sie mit einem Komplizen die nächste Aktion plant. Das ist einerseits herrlich witzig, andererseits aber irgendwie ebenso bedrückend.

Denn „Gegen den Strom“ lässt sich auch als bissiger Kommentar zum Überwachungswahnsinn verstehen, der mehr und mehr um sich greift. Da wird beiläufig eine Kamera auf eine Verkehrsampel montiert, der internetfähige Drucker verdächtigt, heimlich mitzuhören, oder der schwarze Tourist gleich mehrmals verhaftet, weil er dummerweise immer dort mit seinem Fahrrad auftaucht, wo die Polizei nach der Saboteurin sucht. Drüber lachen oder mit dem Kopf schütteln? Das dürfen die Zuschauer selbst entscheiden!

Und wenn wir schon dabei sind: Wie verrückt/genial ist denn bitte das mit der Filmmusik? Da stehen regelmäßig drei (oder mehr) Musiker im Bild rum und spielen den Score, während im Vordergrund die Handlung einfach weiterläuft.

Bei so viel Ideenreichtum wünscht man sich, dass Alltagshelden wie Halla (und Regisseur Erlingsson) mindestens genauso viel Aufmerksamkeit bekommen wie die unzähligen Superhelden aus Hollywood. Denn sie schwimmen im wahrsten Sinne des Wortes „Gegen den Strom“ und freuen sich ganz sicher über Unterstützung. Also hopp, auf ins Kino, um diese Filmperle zu genießen!

In der „Kino-Extra“-Reihe am Montag, dem 18. März, 17.15 Uhr und 20.15 Uhr im Meißner Kino