Wie ein Gemälde des großen Terrors

Die Französische Revolution wie auf dem Schlachtengemälde: Die Landesbühnen Sachsen zeigen "Dantons Tod" Foto: König

Das Schauspiel der Landesbühnen Sachsen zeigt eine neue Inszenierung von Georg Büchners "Dantons Tod". Regie führte Peter Kube.

Die Pose ist eines Gemäldes würdig: Schlachtgetümmel, über dem die Trikolore weht. Und tatsächlich singen sie nun auch die Marseillaise.

Schon der Auftakt der neuen Inszenierung von „Dantons Tod“, mit der das Schauspiel der Landesbühnen Sachsen die Spielzeit eröffnet, ist an Symbolhaftigkeit kaum zu überbieten. Das kennt man auch in Öl gemalt. Diesen Ton wird die Inszenierung in den kommenden gut zwei Stunden behalten. Regisseur Peter Kube versammelt die Akteure immer wieder zu gemäldegleichen Tableaus, lässt sie sich geradezu choreografiert über die Bühne bewegen. Großes Bild an großem Bild und über allen glänzt Georg Büchners Text: Er wird von den Spielerinnen und Spielern in allen Nuancen des Zweifelns, des Fürchtens und des Furors ausgedeutet.

Dazu bietet das Stück in jeder Szene Gelegenheit. Büchner schildert den Schrecken des „Terreurs“ der Französischen Revolution. Deren Anführer waren angetreten, Frankreichs Volk von Despotie zu befreien, und waten nun selbst durch ein Meer von Blut. Jeder, der in Verdacht gerät, die Revolutionsideale nicht zu teilen, kann umgehend auf der Guillotine landen. Tausende werden hingerichtet.

Und nun auch Danton? Alexander Wulke verleiht dem Revolutionsführer starke Bühnenpräsenz: ein Kerl wie ein Baum, der sich nun aber ins Private zurückgezogen hat, Wein, Weib und gutes Essen liebt. Allzu sympathisch ist das nicht, zumal der Zuschauer schnell versteht, dass das Volk hungert, während der Ober-Revolutionär in Genüssen schwelgt. Dazu kommt, dass Danton den Terror, der ihn nun ekelt, selbst mit anfachte. Die Diskrepanz zwischen den verelendeten „citoyens“ und dem Revolutionsadeligen wird auch in Kostüm und Maske deutlich herausgestellt (Bühne und Kostüm: Tom Böhm). Leuchtend rot gewandet wandelt Danton zwischen blassgesichtigen und ausgezehrt wirkenden Mitstreitern, Gegnern und Volksmassen.

Büchner beschreibt Männer, die mit hehren Absichten zu Menschenschlächtern wurden, und Täter, die auch Opfer sind. Robespierre und Saint-Just fordern die Köpfe von Danton und seinen Mitstreitern. Zum Teil, weil sie tatsächlich glauben, dass für die Reinheit der Revolution dieses Blut fließen muss: Holger Uwe Thews zeigt einen eifernden, glühend gläubigen Robespierre. Zum anderen Teil ist der Tod der Dantonisten einfach ein politisch-strategisches Erfordernis: Dem Machthunger verleiht Tom Hantschel in der Rolle des Saint-Just ein aalglattes und kaltes Gesicht.

Im Ringen dieser drei Hauptcharaktere bleiben Dantons Anhänger – gespielt von Johannes Krobbach, Grian Duesberg, Felix Lydicke und Mario Grünewald – und auch die Frauenfiguren – verkörpert von Julia Vincze, Julia Rani, Sophie Lüpfert und Luca Lehnert – recht blass. Sie bleiben im Elend oder gehen in den Tod. Letzteres mit durchaus unterschiedlicher Haltung: Manche kämpfen, andere klagen an, verzweifeln oder fügen sich in ihr Schicksal. Doch das berührt eigentlich kaum: Die Inszenierung bietet viele symbolträchtige Bilder, aber nur wenige Möglichkeiten, emotional an die Figuren anzuknüpfen.

Formenstrenge und große Gesten sorgen dafür, dass Danton, Robespierre und die anderen vor allem als Exempel und nicht als Menschen erscheinen. Verzweiflung, Todesfurcht und Mut werden gemäldegleich arrangiert, wirken aber im engen Korsett der Inszenierung vor allem behauptet. „Dantons Tod“ ist hier ein Theater-Klassiker in perfekt durchgearbeiteter Form und mit geschliffenem Text, doch leider ein reines Historiengemälde.

Wieder am 9. und 18. November