Harmonie aus der Spannung der Gegensätze

"Fangspiel" von Petra Vohland Foto: Hans Strehlow

Vor einem Jahr starb die Künstlerin Petra Vohland. Eine Dresdner Ausstellung erinnert an ihr umfangreiches Werk.

Ein Jahr nach dem plötzlichen Tod der Malerin Petra Vohland richtet die „Dresdner Sezession 89“ in der Dresdner „Galerie Drei“ eine Gedenkausstellung für die Künstlerin aus. Petra Vohland hat die Künstlerinnenvereinigung im Jahre 1989 mitgegründet.

Als Petra Dettelbacher wurde sie im März 1953 in Zwickau geboren und wegen ihres auffälligen bildnerischen Talentes bereits früh zu einem Zeichenkurs für Erwachsene zugelassen. Dort lernte sie die älteren Kollegen Siegfried Klotz sowie Wolfram und Hartwig Ebersbach kennen. Bereits um diese Zeit muss sich bei ihr das ruhige und unbeirrte künstlerische Selbstverständnis herausgebildet haben, von dem in der Dresdner Ausstellung nun die Arbeiten mit dem Titel „Garten Eden“ zeugen. Diese durchzieht ein feiner Humor, der sich jedoch immer in den bildnerischen Mitteln bemerkbar macht. Eine zugleich sanfte und doch entschiedene Weltzugewandtheit wird deutlich. Zumeist bestimmen Gestalten, Kreaturen, Menschen und Tiere den Bildraum. Der Vortrag ist mager und lapidar, doch die Verknappung das Ergebnis genauen Hinschauens und genauer Kenntnis der Gestalt.

Die Nähe zu den in den 1980er Jahren gefeierten „Neuen Wilden“ ist nur äußerlich. Oft macht auf den Bildern von Helmut Middendorf, Ralf Kerbach oder Elvira Bach der Mangel die Musik. Bei Petra Vohland ist dagegen die Wirkung der ausdrucksvollen Gebärden in den Blättern „Dialog“, „Fangspiel“ oder „Großes Paar“ stets gesichert durch die souveräne Kenntnis anatomischen Zusammenhänge des menschlichen Körpers. Die Szenerien erweitern den Raum über die zumeist bescheidenen äußeren Abmessungen der Blätter hinaus.

Petra Vohland war eine Beobachterin. Bei der Eröffnung der Ausstellung zitierte die Kunstwissenschaftlerin Karin Weber aus ihren Notizen. Darin verkündet sich der Vorsatz „Schweigen lernen“. Und eine beredte Verschwiegenheit strahlt aus Vohlands Blättern. Die sind Ergebnis einer tiefen Menschenkenntnis, bei der ihr Illusionslosigkeit nie die Fähigkeit zur Liebe verminderte. Petra Vohlands Realismus gelangt zu ganz eigenen Formulierungen für Empfindungen und Gebärden, jenseits bildnerischer Konventionen. Ihre kultivierten Abstrahierungen des Gegenstandes dienen immer der Intensivierung eines konkreten Ausdrucks, der sich durch bloßes Schildern nicht einfangen lässt. Die Expression geht nie auf Kosten der Poesie und des sicheren Maßes. Anstatt einer Routine der Wildheit ist die ungezähmte Harmonie des „Gartens Eden“ zu sehen.

Was die Dichtung mit der Sprache macht – die Auflösung und Verstärkung der Mitteilung im Mittel ihrer Darstellung –, bewirkt diese Malerei mit den Mitteln des Strichs und des Farbflecks. Der Duktus der Striche erinnert weniger an Kalligraphie, als an eine Partitur. Die Harmonie dieses „Gartens“ ruht auf der Spannung der Gegensätze.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der zum ersten Mal in gedruckter Form eine umfassende Vorstellung vom Werk Petra Vohlands vermittelt. Über sechs Seiten zieht sich das Ausstellungsverzeichnis. In den meisten Fällen handelt es sich um Beteiligungen. Einzelausstellungen gab es sehr wenige. Dabei war sich Petra Vohland des Wertes ihrer Kunst wohl bewusst – und gerade deshalb war ihr an einem lauten Ausrufen auf dem Jahrmarkt nie gelegen.

Petra Vohland war zurückhaltend und wach, dabei aber alles andere als zurückgezogen. In der „Dresdner Sezession“, dem Künstlerbund Dresden und der Jugendkunstschule Meißen wirkte sie aktiv für die Kollegen und den Nachwuchs. Es ist bezeichnend, dass in der oft selbstbezogenen Künstlerschaft die wirklich der Sache Verpflichteten besonders darauf achten, jeden Anschein zu vermeiden, Aufmerksamkeit auf das eigene Werk zu lenken. Bei Petra Vohland war dieser Zug beinahe extrem ausgeprägt. Gerade zu einem Zeitpunkt, da sie ihrer künstlerischen Arbeit wieder mehr Aufmerksamkeit zuwenden wollte, wurde sie jäh aus dem Leben gerissen.

Im persönlichen Gespräch entschuldigte sie Charaktermängel anderer oft mit dem Wert des künstlerischen Werkes und wollte kein Verhältnis beider Bezugssysteme gelten lassen. Ihr eigenes Werk spricht auffällig gegen diese These, indem sich in ihrer noblen Kunst ein feiner Charakter kundgibt.

„Petra Vohland – Garten Eden“ in der „Galerie Drei“, Prießnitzstraße 43 in Dresden, bis zum 3. März. Weitere Arbeiten der Künstlerin sind bis zum 28. Februar bei „Gräfes Wein & Fein“ in der Hauptstraße in Radebeul-Ost zu sehen.