Ein rabenschwarzes Jahr für die Manufaktur

Die Porzellan-Manufaktur Meissen schreibt für 2014 über 19 Millionen Euro Verlust. Schmuck und Mode von Meissen laufen schlecht, aber auch das klassische Geschäft macht Probleme.

Die Jahresabschlüsse der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen waren zuletzt sehr umstritten. Die Frage, wann das Unternehmen welche Zahlen offenzulegen hat, beschäftigte auch die sächsische Landespolitik. Für 2014 legt die Manufaktur nun ihren Jahresabschluss vor. Die Bilanz fällt schlecht aus.

Die Kurzfassung: Im Vergleich zum Vorjahr ist der Umsatz leicht gesunken und der Verlust drastisch gestiegen. In Zahlen: Meissen erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 37,9 Millionen Euro (2013: 38,3 Millionen Euro). Unterm Strich aller Geschäfte der Manufaktur steht für das Jahr 2014 ein Minus von 19,2 Millionen Euro. Schon 2013 hatte die Manu Verlust gemacht, damals aber „nur“ 2,2 Millionen Euro.

Das dicke Minus des Jahres 2014 lastet man unternehmensintern vor allem Meissens italienischer Tochtergesellschaft „Meissen Italia S.r.l.“ an. 18,3 Millionen Euro Verlust führt man allein auf sie zurück. Die Mailänder Tochter war unter der Ägide des Meissen-Geschäftsführers Dr. Christian Kurtzke gegründet worden. Sie sollte die sächsische Porzellan-Manufaktur zum weltweit und in vielen Produktsparten agierenden Luxuskonzern machen.

Das italienische Tochterunternehmen organisiert die Entwicklung und Lieferung der neu eingeführten Meissen-Produkte: Raumausstattung, Schmuck, Accessoires und Mode. Die Geschäfte damit laufen offenbar gar nicht zur Zufriedenheit der heutigen Leitung. Tillmann Blaschke ist seit November 2014 Chef der Manufaktur. Bei der italienischen Tochter tauschte er 2015 die Geschäftsführung aus. Er lässt es an deutlichen Worten nicht fehlen. „Das Ergebnis ist ernüchternd und absolut nicht zufriedenstellend. Was ich in Italien vorgefunden habe, hat diese drastischen Schritte erfordert, um das Gesamtunternehmen nicht zu gefährden“, so Blaschke.

Mit dem Wechsel in der italienischen Chefetage ist es aber nicht getan. Die neuen Produkte brachten nicht die anfangs erwarteten Erträge, heißt es von der Manufaktur: „Die angebotenen Produkte entsprachen nicht immer den Marktanforderungen.“ Die Beteiligung an der italienischen Tochtergesellschaft sei nun „vollständig wertberichtigt“ worden. Das entspricht einer Abschreibung. Finanziell war das Engagement in Italien offenbar ein Desaster. „Forderungen wurden abgewertet und Vorräte abgeschrieben“, heißt es von der Manufaktur. „Für eventuell noch drohende Verluste ist eine Rückstellung eingeplant worden.“ Den harten Schnitt erklärt man aber als „einmaligen, handelsrechtlich notwendigen, jedoch nicht liquiditätswirksamen Sondereffekt“.

Ist dann wenigstens im Meißner Stammhaus die Welt noch in Ordnung? Der Jahresabschluss 2014 weist auf anderes hin. Das Minus ist groß, obwohl der vom Freistaat eingefädelte Verkauf von Museumsbeständen an die „Meissen Porzellan-Stiftung GmbH“ immerhin Einnahmen von sechs Millionen Euro in die Bücher gebracht hatte. Dass auch das klassische Porzellan-Geschäft Sorgen macht, klingt an. Manufaktur-Sprecherin Sandra Jäschke spricht von einem „strukturell herausfordernden Porzellanmarkt“. Die Nachfrage in Russland ging zurück. Auch die Chinesen wollten nicht so viel Meissener Porzellan kaufen wie erhofft.

Auf die Strategie der Diversifizierung folgt dennoch die Konzentration aufs Kerngeschäft. 2014 habe die Manufaktur 87 Prozent ihres Umsatzes mit Porzellan gemacht, sagt Sprecherin Jäschke. „Im Fokus des Unternehmens steht auch zukünftig der Umsatz mit Porzellanprodukten.“

Unterdessen muss Meissen sparen. Man habe bereits Maßnahmen zur Steigerung von Effizienz und Wirtschaftlichkeit getroffen, heißt es. Man setze auf den Eigenvertrieb. Das bringe erste Erfolge. Den Sparkurs spüren die Beschäftigten des Staatsunternehmens. Für sie gab es im Sommer 2015 Kurzarbeit und „tarifliche Sondervereinbarungen“.