Sanierungspläne an der alten Bienenwirtschaft

Die alte Bienenwirtschaft steht ebenso leer wie viele Häuser im angrenzenden Stadtteil. Das Haus Talstraße 93 (Bildmitte) soll nun aufwendig saniert werden. Foto: Grau

Das Meißner Stadtviertel am Eingang des Triebischtals ist von Leerstand und Verfall geprägt. Jetzt ist an der Bienenwirtschaft die aufwendige Sanierung eines Gründerzeitbaus angekündigt.

Ist es ein Startschuss für die Wiederbelebung eines lange vernachlässigten Meißner Stadtteils? Der Dresdner Immobilien-Projektentwickler „Salmira“ kündigt einen Baustart an. Wo seit Jahren Leerstand und Tristesse herrschen, soll saniert werden: an der Talstraße 93.

Das Haus ist Teil einer Gebäudezeile aus der Gründerzeit. Trotz unmittelbarer Nachbarschaft zu Altstadt, Kollwitz-Park und Porzellan-Manufaktur ist die seit Langem ein städtebaulicher Problemfall. Das Areal rund um die ehemalige „Bienenwirtschaft“ ist in weiten Teilen ungenutzt. Es gibt deutliche Spuren des Verfalls. Seit Jahren stehen Wohnungen und Geschäfte leer. Zwischenzeitlich erwog man sogar den Abriss alter Häuser in dem Viertel.

Auch die Werbeplane von „Salmira“ hängt schon einige Zeit an der Fassade der Talstraße 93. Nun sei es aber geschafft, sagt Ralph-Philípp Langer von der Geschäftsführung des in Frankfurt und Dresden ansässigen Unternehmens: Alle künftigen Wohnungen in dem Haus seien verkauft oder von Kaufwilligen reserviert. „Im Frühling wollen wir mit dem Entrümpeln des Hauses und dann auch mit den Bauarbeiten beginnen.“

Interessant sind die Pläne deshalb, weil die „Salmira“ an der Talstraße 93 offenbar keine „Schnell-und-preiswert“-Sanierung plant. Im Gegenteil. „Die Wohnungen, die dort entstehen, gehören zum hochwertigen Segment“, sagt Langer. Alte Türen und Fliesen, wertvolle Hölzer und Geländer sollen erhalten und aufgearbeitet werden. Wo das nicht möglich sei, werde man solche Details nach historischem Vorbild nacharbeiten lassen. Die Wohnungsgrundrisse würden dennoch verändert. Neben zwei kleineren Einheiten im Erdgeschoss entstünden vier Wohnungen mit Größen zwischen 114 und 130 Quadratmetern. „Alle diese Wohnungen werden drei Balkone haben.“

Die Pläne für den Umbau hat ein Architekt aus Brandenburg gezeichnet, mit dem die „Salmira“ schon mehrfach zusammenarbeitete. Erfahrungen mit der Sanierung alter Häuser, aber auch mit Neubau hat das Unternehmen. Ralph-Philípp Langer zeigt Referenzen aus der Dresdner Region und aus Halle.

Warum kommt die „Salmira“ nun nach Meißen und das ausgerechnet in ein weitgehend brachliegendes Viertel wie das an der „Bienenwirtschaft“? Langer verweist auf das Bevölkerungswachstum in Dresden und dessen Umland. Dass die Preise auf dem Dresdner Immobilienmarkt stark steigen und auch die umliegenden Kommunen mittlerweile Zuzug bekommen, sei gut bekannt. „Wir investieren gern in Städten, wo wir uns auch selbst vorstellen könnten, zu leben.“ Und da gehöre Meißen auf alle Fälle dazu. Die Daten der Stadt habe man vor der geplanten Investition gut geprüft: Bevölkerungsentwicklung und Verkehrsanbindung nach Dresden stimmten. „Und in Meißen fehlen große Familienwohnungen.“ Eine siebenstellige Summe veranschlage man für die Sanierung der Talstraße 93, sagt Ralph-Philipp Langer. Weiteres Engagement in Meißen sei für die „Salmira“ nicht ausgeschlossen.

Was hält Meißens Baudezernent Steffen Wackwitz von dem Vorhaben an der Talstraße? „Das Viertel ist ein Sorgenkind“, sagt er. Wenn ein Investor nun ein Haus in der Zeile wieder mit Leben fülle, sei das ganz im Sinne der Stadt. Laufe es gut, könne eine Sanierung die Initialzündung für die Aufwertung eines ganzen Stadtteils sein.

Die Stadtverwaltung versuche, solche Entwicklungen über die Sanierung und Aufwertung ihrer Immobilien anzustoßen. Das funktioniere zum Beispiel bei Schulbauten wie an der Dresdner Straße. „Wo wir keine Immobilien haben, können wir nur die Verantwortung für den öffentlichen Raum wahrnehmen, für Straßen, Wege oder Beleuchtung. Das andere müssen die privaten Eigentümer selbst in die Wege leiten.“

Das leere Gebäude der alten „Bienenwirtschaft“ gehöre zum Beispiel einem privaten Eigentümer, sagt Wackwitz. „Wir haben lange überlegt, ob wir die Immobilie erwerben können, um dort eine Entwicklung hinzubekommen. Aber der Eigentümer will sie behalten.“