VVO bremst die Bahn-Euphorie im Triebischtal

Die Wiedereinführung von Personenzügen auf der Bahnstrecke durchs Triebischtal steht wieder ernsthaft zur Debatte. Der Verkehrsverbund verweist aber auf hohe Kosten.

Die Bahnstrecke zwischen Meißen und Döbeln bleibt ein Politikum. Drei Jahre nachdem der Personenzugverkehr auf der Trasse eingestellt worden war, wird vehement über dessen Wiedereinführung diskutiert. In Zeiten, in denen Landespolitiker wieder den ländlichen Raum für sich entdecken, scheinen die Chancen dafür so gut zu stehen, wie lange nicht. Eine bessere Anbindung von Döbeln an die Landeshauptstadt Dresden soll mit Geld aus dem Landeshaushalt möglich werden. In diesem Jahr zwei Millionen, bis 2024 dann jährlich drei Millionen Euro will der Freistaat zur Verfügung stellen.

Doch beim Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), der die Wiedereinführung des Personenzugverkehrs gemeinsam mit dem benachbarten Verkehrsverbund Mittelsachsen ins Werk setzen müsste, ist man skeptisch, ob diese Summen ausreichen. Nach derzeitigem Kenntnisstand deckten sie nicht einmal die Trassengebühren, also die an den Schienennetzbetreiber zu zahlende Maut, sagt der Bautzner Landrat Michael Harig, der Zweckverbandsvorsitzender des VVO ist. „Und dann fehlt noch das Geld für den Betrieb.“

Dass ein kostendeckender Betrieb der Strecke möglich ist, scheint fraglich. Beim VVO verweist man darauf, dass nur auf stark genutzten Routen – etwa bei den Regionalexpressen zwischen Dresden und Leipzig, in denen jährlich mehr als drei Millionen Fahrgäste gezählt werden – annähernd Kostendeckung erreicht wird. Zwischen Döbeln und Meißen hatten 2015 zuletzt in jedem Zug nur durchschnittlich 20 Passagiere gesessen.

Rundheraus ablehnen will man aber die Wiedereinführung der Personenzüge offenbar nicht. Sie könne jedoch nur sinnvoll sein, wenn es auf der Strecke moderne Infrastruktur und ein besseres Angebot als 2015 gebe, so der VVO-Zweckverbandsvorsitzende Michael Harig.

Vor der Einstellung war in einem (von den Gegnern der Entscheidung kritisierten) Gutachten der Deutschen Bahn AG der Investitionsbedarf auf knapp 25 Millionen Euro beziffert worden. Diese Summe sollte man „ernst nehmen, um für die Zukunft keine Überraschungen zu erleben“, sagt Harig. Seit 2015 haben sich auch die Anforderungen geändert: Für den Personenzugverkehr müssten alle Stationen der Strecke barrierefrei hergerichtet werden. Allein das kann rund eine Million Euro pro Haltepunkt kosten.

Derzeit wird die Strecke von der Nossen-Riesaer Eisenbahncompagnie (NRE) betrieben und für den Güterverkehr genutzt. Mit ihr habe der VVO inzwischen Gespräche aufgenommen: „Wir haben verbindliche Zahlen und einen tatsächlich machbaren Fahrplan vereinbart“, so Michael Harig. Erst wenn diese Angaben auf dem Tisch lägen, könne realistisch über Kosten und Finanzierung geredet werden.