Marode Gleise und Mehrkosten auf der Linie 4

Die Straßenbahnstrecke durch Radebeul, Coswig und Weinböhla sollte längst saniert sein. Doch weil nicht gebaut wird, steigen auch die Kosten.

Die Straßenbahnlinie 4 ist ein Sorgenkind. Dabei herrscht eigentlich die größte anzunehmende Einigkeit. Verkehrsverbund Oberelbe, Dresdner Verkehrsbetriebe, die Kommunen Radebeul, Coswig und Weinböhla, der Landkreis Meißen: Alle wollen sie, dass weiterhin Straßenbahnen nicht nur in der Landeshauptstadt, sondern auch durch das Elbland fahren.

Allerdings macht der schlechte Zustand vor allem von Radebeuler Streckenabschnitten Sorgen. Aus dem Plan, bis 2016 die schlimmsten Problemstellen zu beseitigen, ist nichts geworden. Nun müssen der Landkreis und die Anliegerkommunen zusätzliches Geld zuschießen, um Mehrkosten für den Straßenbahnbetrieb auf der maroden Strecke auszugleichen.

Denn auf schlechten Gleisen kommen die Bahnen nur langsam voran. An einigen Stellen der Meißner Straße in Radebeul müssen die Trams mittlerweile fast auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen. Das kostet Zeit und macht den Einsatz zusätzlicher Bahnen nötig. Die Zusatzkosten für den für den erhöhten Bedarf an Personal und „Rollmaterial“ werden sich bis 2021, dem Laufzeit-Ende des aktuellen Verkehrsvertrags für die Strecke, auf gut 1,3 Millionen Euro summieren.

Also muss das „Leistungsentgelt“ erhöht werden, das der Landkreis und die Anliegerkommunen an die Dresdner Verkehrsbetriebe zahlen und das alle Kosten decken soll, die nicht durch den Fahrscheinverkauf gegenfinanziert werden können. Gut eine Million Euro mehr zahlen nun der Landkreis und die Kommunen. Die Summe stammt aus einer Rücklage, die der Kreis und die drei Gemeinden ursprünglich für Investitionen in die Strecke angespart hatten.

Woher kommt nun aber das Geld für die immer dringender werdende Sanierung von Streckenabschnitten? In Radebeul sind inzwischen die Abschnitte von der Gleisschleife Ost bis zur Wasastraße, von der Moritzburger Straße bis zur Gleisschleife West und von der Rennerberg- bis zur Dr.-Külz-Straße völlig verschlissen. Der Verkehrsverbund Oberelbe springt ein und sichert einen Zuschuss von insgesamt 3,2 Millionen Euro zu.

Doch ob das einen Baustart beschleunigt, ist fraglich. Sanierung und Modernisierung von Streckenabschnitten sorgten bislang für kontroverse Diskussionen. In Radebeul beschäftigten sich Stadträte und Bürger sehr ausführlich mit den Plänen. Auch Klagen von Anliegern sorgten für Verzögerungen. Nur eines ist bislang klar: Es gehen Jahre ins Land, bis eine Baugenehmigung vorliegt und die nötigen Finanzen beisammen sind.

Viel mehr Jahre, als Verkehrsbetriebe, Kommunen und Landkreis ursprünglich angenommen hatten: Allein die drei wichtigsten Sanierungsvorhaben in Radebeul sollten bis 2016 abgeschlossen sein. Bis heute ist noch keines davon angefangen. Stattdessen erledigt man, wofür es mit Glück die Genehmigung und Fördermittel gibt. Im Juni dieses Jahres hat die Landesdirektion immerhin grünes Licht für die Erneuerung der Bahnstromversorgung zwischen Coswig und Weinböhla sowie in der Gleisschleife Radebeul-West gegeben.