Wahlversprechen, Währungskrisen und Vertrauen

Die Handwerker aus dem Landkreis hatten zum Neujahrsempfang eingeladen. Diskutiert wurde dort unter anderem über Politik und über Mechanismen der Wirtschaft.

Bundes- und Lokalpolitik, die psychologischen Mechanismen des Währungssystems, Anerkennung für gute Ausbildung: Breit war die Palette der Themen, die beim ersten Meißner Neujahrsempfang des Jahres 2018 angesprochen wurden. Traditionell sind es die Handwerker, die den Reigen der Jahresauftakt-Veranstaltungen eröffnen. Die Kreishandwerkerschaft der Region Meißen lud am 5. Januar zu ihrem Neujahrsempfang in den „Burgkeller“ ein. Gäste waren nicht nur Abgeordnete von Europaparlament, Bundes- und Landtag, der Landrat und fast alle Bürgermeister aus dem Kreis. Auch die Chefs vieler Unternehmen und Handwerksbetriebe hatten sich den Vormittag für den Austausch mit Kollegen freigenommen.

Was den Handwerkern unter den Nägeln brennt, fassten Kreishandwerksmeister Peter Liebe und der Obermeister der Riesa-Großenhainer Bauinnung, Thomas Möbius, zusammen. Neue Regierungen im Bund und Sachsen mit Verantwortungsbewusstsein, aber ohne bräsiges „Weiter so“, gehören zu den Wünschen der Handwerker. Endlich eine flächendeckende Versorgung mit Breitband-Internet auch auf dem Land, der Weiterbau der Bundesstraße 169 von Riesa bis zur Autobahn 14, die Vergabe kommunaler Aufträge nicht in Gesamtpaketen, sondern in Teillosen: Das sind weitere Punkte auf der Liste.

Einige scheinen die Handwerker schon resigniert abgehakt zu haben. Zum Beispiel den Wunsch nach weniger statt mehr Bürokratie. Bauunternehmer Möbius nannte Änderungen an der Abfallverordnung als Beispiel. Seit der Einführung der neuen Regelungen müssten auf Baustellen Abfälle getrennt in zehn Kategorien sortiert und entsorgt werden. Dazu kämen ausführliche Pflichten zur Dokumentation. Angesichts solcher Kostentreiber und Zeitfresser dürfe es nicht verwundern, dass viele Bauunternehmen trotz voller Auftragsbücher keine zufriedenstellenden Erträge erzielen könnten.

Nahezu unerfüllbar scheint der Wunsch der Handwerker, die seit einigen Jahren geltende vorfristige Fälligkeit der Sozialabgaben wieder aufzuheben. Angesichts voller Sozialkassen sei sie unnötig, so Thomas Möbius. Die Unternehmen könnten das Geld eher für ihre Liquiditätsreserven gebrauchen. „Wir haben die Abschaffung oft gefordert. Vor Wahlen wird sie uns auch immer wieder versprochen.“ Nur: Umgesetzt wurden dieses Versprechen bisher nicht.

Doch beim Neujahrsempfang gab es nicht nur Mahnungen und Beschwerden. Es durfte auch gefeiert werden. Großer Applaus für die beste Auszubildende des Jahres 2017 im Landkreis Meißen: Ruth Trommer, die in der Coswiger Firma Baldauf den Beruf der Goldschmiedin gelernt hatte, schloss im vergangenen Jahr ihre Lehre mit der Spitzennote von 1,2 ab. Dafür bekam sie nun den Ausbildungspreis der Kreishandwerkerschaft.

Gold und edler Schmuck, auch Immobilien haben immer dann Hochkunjunktur, wenn die Menschen Papier- und Münzwährungen nicht vertrauen. Das beschrieb als Gastredner der Geschäftsführer der sächsischen Bürgschaftsbank, Markus Michalow. Manch einer investiert inzwischen in Online-Währungen wie den Bitcoin. Letztlich basiere aber jede Währung und so gut wie jede Anlage auf Vertrauen: Vertrauen, dass die Wirtschaft weiter nach gewohnten Regeln von Angebot, Nachfrage, Kauf, Verkauf und Zahlungsbereitschaft funktioniert. Währungskrisen seien Vertrauenskrisen. „Wenn wir nachhaltig wirtschaften und langfristig denken, behält Geld seinen Wert“, so Michalow. Die Handwerker der Region wollen 2018 dazu beitragen.