Ein Kompass für die Suche nach der Lehrstelle

Handwerk und Industrie im Kreis Meißen suchen dringend Azubis - und das schon fürs kommende Jahr. Der "Lehrstellenkompass 2018/19" listet Ausbildungsberufe und -stellen auf.

Max Lehmann ist ein Azubi, wie ihn sich Arbeitgeber wünschen. Engagiert in Beruf und Berufsschule, gute Umgangsformen, einsatzbereit. An diesem Tag in Sachen „Werbung für Berufsnachwuchs“: Vor Neuntklässlern einer Radebeuler Oberschule gibt Max Lehmann Auskunft, wie er vor einigen Monaten seinen Ausbildungsplatz suchte und fand.

Nach ein paar Umwegen: Das gibt der 25-Jährige zu. „Ich habe die Mittelschule abgeschlossen, dann am Beruflichen Gymnasium das Abitur gemacht.“ Es folgten Studien an der Technischen Universität Dresden. Erst Architektur, dann Lehramt: Nach einiger Zeit habe er aber gespürt, dass die akademische Ausbildung nicht recht zu ihm passe, sagt Lehmann. „Die Art des Lernens an einer Uni liegt mir nicht. Ich brauche Verbindung zur Praxis, konkrete Lernziele und die Umsetzung.“ Das finde er nun in seiner Ausbildung zum Bankkaufmann: Seit einem Jahr ist er Azubi bei der Sparkasse Meißen.

Es ist wichtig, die Augen offen zu halten, den Blick zu weiten, zu schauen, welche Chancen klassische Ausbildungsberufe bieten: Das ist die Botschaft, die Jens Torsten Jacob, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Region Meißen, unter die Radebeuler Neuntklässler bringen will. Er hat dazu Azubi Max Lehmann und neben weiteren Partnern aufs Podium geholt. Gemeinsam werben sie für die Berufsaubildung im Meißner Landkreis und verteilen den neuen „Lehrstellenkompass“ an die Jugendlichen.

Der „Kompass“ ist eine Broschüre, die auf knapp 90 Seiten fast alles auflistet, was Lehrstellenbewerber wissen wollen. Über 300 Ausbildungsberufe werden kurz vorgestellt und zu jedem ausbildende Betriebe in der Region genannt. Der neue „Lehrstellenkompass“ für den Kreis Meißen gilt für das Ausbildungsjahr 2018/19. Die Broschüre wird jedes Jahr neu erstellt, damit sie stets das aktuelle Ausbildungsangebot in der Region spiegelt. Dass das 2018er Heft schon jetzt in Schulen verteilt wird, ist genau richtig. Wer im Herbst des nächsten Jahres eine Ausbildung beginnen will, sollte sich bald klar sein, wo er sich bewirbt. Die Betriebe beginnen bereits mit der Suche nach neuen Azubis.

Es ist nicht falsch zu sagen, sie suchten „händeringend“. Im Landkreis Meißen sei der Mangel an Berufsnachwuchs bereits deutlich zu spüren, sagen Petra Schlüter, Chefin der Riesaer Arbeitsagentur, und Enrico Münch vom Jobcenter des Landkreises Meißen. Das gelte vor allem in den klassischen Ausbildungsberufen des Handwerks und der Industrie. „Wir haben mittlerweile einen Bewerbermarkt“, sagt Petra Schlüter.

Goldene Zeiten für alle, die eine Ausbildungsstelle suchen – wenn sie auch über etwas Flexibilität verfügen. „Sehr gefragt sind bei den Bewerbern zum Beispiel die klassischen Berufe, die mit Technik, Metall und Elektro zu tun haben“, sagt Enrico Münch. „Der Nachwuchsbedarf ist aber auch in vielen anderen Branchen da.“ Und teilweise sogar noch größer: Baubetriebe, Restaurants und Hotels werben tatsächlich schon „händeringend“ um Azubis. „Man kann auch sagen, das Handwerk sucht flächendeckend.“ Das Angebot sei groß, kein Bewerber müsse zwingend die Region verlassen – es komme eben nur darauf an, die passenden Arbeitgeber mit den passenden Lehrlingen zusammenzubringen. Wenn sich im Traumberuf beim Wunscharbeitgeber keine Lehrstelle finden sollte, lohne es sich, Alternativen in Betracht zu ziehen.

Um das passende „Kuppeln“ von Unternehmen und Azubis bemühen sich neben der Kreishandwerkerschaft auch die Industrie- und Handelskammer, die Arbeitsagentur und das Jobcenter. Sie alle haben zur neuen Auflage des „Lehrstellenkompass’“ beigetragen. „Für junge Leute ist die Orientierung auf dem Ausbildungsmarkt nicht einfach“, sagt Torsten Köhler, bei der Dresdner IHK Geschäftsführer für den Bereich Bildung. „Es gibt ein Dickicht an Ausbildungsberufen. Mit dem ‚Lehrstellenkompass’ bieten wir da eine Orientierung.“

Ein weiteres Hindernis, das zwischen Jugend und Berufsausbildung steht, ist die hohe Attraktivität der akademischen Abschlüsse. Ein großer Teil der Schüler wolle das Abitur und anschließend ein Studium absolvieren, schildern Petra Schlüter und Enrico Münch. „Es geht nicht um die Konkurrenz von Industrie und Handwerk oder die zwischen verschiedenen Ausbildungsberufen“, sagt Enrico Münch. „Der größte Konkurrent für die Ausbildung in Industrie und Handwerk ist das Studium.“

Die Erfahrungen von Max Lehmann stimmen alle, die hier für die Berufsausbildung werben, optimistisch. Vom Studenten zum Azubi: Auch das geht. Ein Studienabbruch muss kein Makel, sondern kann eine Chance sein. „Ich bin zufrieden, dass ich den Weg gewechselt habe“, sagt Max Lehmann den Neuntklässlern. Sein Arbeitgeber, die Sparkasse Meißen, ist es auch.