Weniger Gäste und weniger Hotelbetten im Elbland

Das Tourismus-Gewerbe hatte 2016 kein gutes Jahr. Während Städte wie Radebeul und Meißen touristische Zentren bleiben, zieht sich die Hotellerie aus anderen Gegenden zurück.

Die jüngste Tourismus-Bilanz des Sächsischen Elblands ist negativ. 2016 kamen weniger Besucher in die Region als im Jahr zuvor. 428.000 Ankünfte und rund 1,34 Millionen Übernachtungen zählte man in den gewerblichen Betrieben mit einer Größe ab zehn Betten. Unterm Strich waren das 2,9 Prozent weniger Gäste und 0,2 Prozent weniger Übernachtungen als 2015.

„Dieses Ergebnis kann die Touristiker nicht zufrieden stimmen“, heißt es vom Tourismusverband Sächsisches Elbland. Man habe eine Ursachenanalyse betrieben – und die stellt das Ergebnis anders dar, als es die Zahlen vermuten lassen. Die Touristiker des Sächsischen Elblands verweisen auf einen starken Rückgang von Bettenkapazitäten, der in den vergangenen Monaten in der Region zu beobachten war.

Seit 2014 haben im Gebiet des Tourismusverbands zwischen Radebeul und Torgau mehrere Hotels dichtgemacht. Nach den Zahlen des Statistischen Landesamtes gingen elf Beherbergungsbetriebe mit insgesamt 805 Betten vom Netz, darunter so große Häuser wie das Weinböhlaer „Waldhotel“, das nun ein Seniorenwohnheim ist.

Überkapazitäten sieht man beim Tourismusverband als eine Hauptursache des Hotelsterbens. In den 1990er Jahren seien die Bettenkapazitäten stark ausgebaut worden. Gut zwei Jahrzehnte später stünden umfangreiche Investitionen an. Die Betreiber überprüften vorab naturgemäß ihre Häuser auf Rentabilität. Und die scheint nicht überall gegeben: Vor allem in Orten weitab von Elbe und Dresden rechnen sich große Hotels nicht. Ein Zeichen der Krise: Mehrere Hoteliers nutzten den starken Flüchtlingszustrom der Jahre 2015 und 2016, um ihre Häuser gewinnbringend anderweitig zu vermarkten. In Freital, Tharandt und Riesa wurden drei Hotels mit insgesamt 439 Betten zu Flüchtlingsunterkünften.

Während vor allem das „Hinterland“ Hotelbetten einbüßt, konzentrieren sich die größeren Übernachtungskapazitäten der Region immer stärker auf die „Elbschiene“ zwischen Dresden und Meißen. In der Domstadt ist die Lage durchwachsen. Der Neustart eines Hotels im „Donherrenhof“ an der Freiheit scheiterte. Dagegen erweiterten Hotels wie der „Burgkeller“ und das „Parkhotel“ erst jüngst ihre Kapazitäten. Ein Fazit des Tourismusverbandes: Je ländlicher und elbferner, desto schwerer hat es die Hotellerie. Größere Häuser abseits des touristischen Kerngebietes um Dresden, Radebeul und Meißen seien auf Dauer wohl nur schwerlich rentabel zu betreiben.

Interessant sind die Schlussfolgerungen, die der Verband mit Blick auf die gesunkenen Gästezahlen zieht. Rechne man den Abbau von Bettenkapazitäten gegen, sei die Entwicklung des Tourismusgeschäfts im vergangenen Jahr sogar eher positiv zu sehen. Der Verringerung der Bettenzahl von 7,6 Prozent 2016 zu 2014/2015 stehe ein Rückgang bei den Übernachtungen von lediglich 5,3 Prozent gegenüber.

Ist das reine Zahlenspielerei, um eine negative Entwicklung positiv erscheinen zu lassen, oder tatsächlich ein Anlass, an Änderungen zu denken? Sindy Vogel, die Geschäftsführerin des Tourismusverbands Sächsisches Elbland, fordert jedenfalls, dass die Entwicklung des Tourismus künftig nicht nur an den Kennzahlen von Gästeankünften und Übernachtungen gemessen wird. „Wichtig ist auch die einheitliche Erfassung von Besucherzahlen in Kultur- und Freizeiteinrichtungen, um so das Gäste- und Umsatzvolumen im Tagestourismus besser verdeutlichen zu können.“

Dennoch will man auch bei Ankünften und Übernachtungen wieder Zuwächse erreichen. In diesem Jahr wirbt die Region dafür mit Jubiläen. Die Sächsische Weinstraße wird 25, Karl May 175 Jahre alt. 500 Jahre Reformation werden unter anderem mit einer großen Ausstellung in der Albrechtsburg gefeiert.

Es bleibt der Fakt, dass sich der Tourismus im Sächsischen Elbland regional sehr unterschiedlich entwickelt. Verbandspräsident Bert Wendsche: „Die Herausforderung für unsere Urlaubsregion besteht darin, die Vernetzung sowohl mit Dresden als auch mit den hochwertigen tagestouristischen Angeboten in der Fläche zu forcieren.“