"Ich kann dazu beitragen, Brücken zu bauen"

Frank Richter (Mi.) mit Ute Czeschka und Walter Hannot von der Initiative "Bürger für Meißen": Die Initiative hat Richter um die Kandidatur in Meißen gebeten Foto: Grau

Frank Richter bewirbt sich als parteiunabhängiger Kandidat um das Amt des Oberbürgermeisters von Meißen. Nun stellte er sich das erste Mal als Bewerber vor.

Der neue Kandidat nennt „wenigstens drei Gründe“, warum er Oberbürgermeister von Meißen werden will. Erstens: „Das ist eine großartige Stadt. Meißen hat alles, was das Herz begehrt: Natur, Geschichte und Kultur.“ Zweitens: Es gäbe Gräben in der Bürgerschaft. „Ich glaube, dass ich dazu beitragen kann, Brücken zu bauen.“ Drittens: Meißen habe ein Ziel, auf das es sich hinzuarbeiten lohne. Im Jahr 2029 werde der 1.100. Stadtgeburtstag gefeiert. „Dieses Datum kann zum Ziel für eine Entwicklung werden. Wir sollten die Frage beantworten ‚Wo wollen wir hin?’.“

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Bewerber für das Amt des Meißner Oberbürgermeisters formuliert Frank Richter eher allgemein. Und – wie von ihm bekannt – seine Worte wohl wägend: Auch wenn ihn die Initiative „Bürger für Meißen – Meißen kann mehr“ gefragt habe, ob er denn zur Wahl im September antreten wolle, sei er ein unabhängiger Kandidat. Gegenüber den politischen Parteien und auch gegenüber der Bürgerinitiative. „Es ist mir natürlich eine Ehre, gefragt worden zu sein. Ich habe die Bewerbung gründlich abgewogen und mich dann dafür entschieden.“ Schon oft in seinem Leben habe er für Demokratie und eine offene Gesellschaft gekämpft: in der friedlichen Revolution 1989/90 in der Dresdner „Gruppe der 20“, später als Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, heute als Geschäftsführer der Dresdner Stiftung Frauenkirche.

Wie geht Frank Richter aber mit jenen politischen Kräften um, die demokratische Verfahrensweisen der Politik ablehnen, sie eventuell auch auf demokratischem Wege abschaffen wollen? Solche Stimmen sind laut in dieser Zeit. „Dagegen braucht es klare Abgrenzung, nicht aber Ausgrenzung“, sagt Frank Richter. Ausführlicher erklärt: Er werde sich – auch in Meißen – bemühen, mit allen politischen Parteien ins Gespräch zu kommen. Erst im Gespräch lasse sich feststellen, ob und in welchen Standpunkten man übereinstimme oder nicht. „Zu rassistischen, antisemitischen und anderen herabwürdigenden Positionen grenze ich mich klar ab. Wenn nötig müssen wir für diese klare Abgrenzung auch das Strafrecht heranziehen. Aber Ausgrenzung geht nicht: Die Menschen, die solche Positionen vertreten, werden unsere Mitbürger bleiben.“

In den nächsten Wochen will Frank Richter Kontakt zu möglichst allen Gruppierungen der Meißner Stadtpolitik aufnehmen. „Nach diesen Gesprächen können die Gruppen entscheiden, ob sie mich unterstützen.“ Er wolle auch darüber hinaus viel in der Stadt unterwegs sein und sich den Fragen der Meißner stellen. Ein konkretes stadtpolitisches Programm präsentierte Frank Richter bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Kandidat noch nicht. Das solle, so Walter Hannot von der Initiative „Bürger für Meißen“, in den nächsten Wochen folgen.

Mit der Kandidatur von Frank Richter haben die Meißner am 9. September nun die Wahl zwischen mindestens drei Bewerbern für das Oberbürgermeister-Amt. Der derzeitige OB Olaf Raschke tritt als parteiloser Kandidat wieder an, hat aber bereits vom CDU-Stadtverband offiziell Unterstützung signalisiert bekommen. Die Meißner FDP schickt Martin Bahrmann ins Rennen. „Es ist gut, wenn Wahlen mit Auswählen zu tun hat“, sagt Frank Richter. Man brauche Alternativen, offene und kontroverse Diskussionen: „Das ist wichtig für die Demokratie.“ Er selbst könne die Wahl natürlich auch verlieren. „Daran ist gar nichts Ehrenrühriges.“ Angetreten sei er jedoch, um Oberbürgermeister zu werden und in dieser Position politische Gräben und Blockaden zwischen den Meißnern überwinden zu helfen.