Stadträte wollen Tonnagegrenze für den Plossen

Fahrzeuge mit einem Gewicht über 20 Tonnen sollen von der Plossenauffahrt verbannt werden. Zugleich fordern die Stadträte, den Bau einer alternativen Trasse zu planen.

Der geplante Ausbau der Plossen-Auffahrt bewegt die Meißner Stadtpolitik – auch in der jüngsten Sitzung des Stadtrats-Bauausschusses. Dessen Mitglieder fassten gleich drei Beschlüsse zum Thema.

Und das jeweils einstimmig und in der Erwartung, dass die Stadt Verbesserungen erreichen kann, ohne dafür viel zahlen zu müssen. Beschluss Nummer Eins: Die Stadtverwaltung wird vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LaSuV) Schadstoff- und Lärmmessungen am Neumarkt fordern. Dort, so die Befürchtung von Kritikern der derzeitigen Planungen zum Plossen-Ausbau, würden zukünftig deutlich mehr Lkw als heute fahren. Dabei sei der Neumarkt, auf dem die überregionalen Verkehrsströme aus dem Triebischtal und vom Plossen zusammentreffen, schon heute überlastet.

Die Lärm- und Schadstoffmessungen am Neumarkt sind eine vehemente Forderung der Stadtratsfraktion der Linken. Unklar ist, ob das LaSuV dem nun über die Stadtverwaltung angetragenen Ansinnen nachkommen wird. Unklar ist auch, welchen Einfluss die Messergebnisse auf die weiteren Planungen für den Bau am Plossen hätten. Die Kritiker der derzeitigen Pläne wollen den Schwerlastverkehr am Berg möglichst begrenzen oder ihn ganz von diesem Teil der Staatsstraße verbannen.

Die Linken-Fraktion hatte den jetzt beschlossenen Antrag zuletzt noch einmal geändert. Ursprünglich hatte sie von der Stadt gefordert, die Messungen vorzunehmen. Nach Kostenvoranschlägen ist klar, dass fundierte Untersuchungen zwischen 80.000 und knapp 270.000 Euro kosten werden. Nun soll aber das Landesamt die Messungen beauftragen und bezahlen.

Einen Auftrag an das LaSuV enthält auch ein zweiter, einstimmig gefasster Beschluss des Bauausschusses. Die Landesbehörde möge den Bau einer Alternativroute zwischen der Staatsstraße 177 und der Bundesstraße 6 prüfen. Damit greifen die Meißner Stadträte nun offiziell eine seit längerem kursierende Idee auf: den Bau einer neuen Straße von der Bockwener Delle durch den Küchengrund zur Elbe. Erwartet wird, dass mit dieser Piste die Verkehrsbelastung des Plossens deutlich sinkt.

Allerdings würde die rund zwei Kilometer lange neue Straße durch Gebiete führen, die unter Natur- und Landschaftsschutz stehen. „Das wird die Planung nicht einfacher machen“, so Katrin Diersche, Stadtplanerin in der Meißner Verwaltung. Holger Wohsmann, Chef der Meißner Niederlassung des LaSuV, hatte vor einigen Wochen die Idee der neuen Trasse noch abgeblockt. Sie sei keine Alternative zum Bau am Plossen, ihre Planung sei aufwendig und werde voraussichtlich etliche Jahre dauern.

Den dritten Beschluss des Bauausschusses zum Thema Plossen will die Stadtverwaltung in eigener Regie umsetzen. Die Plossen-Auffahrt soll für Laster mit einem Gewicht über 20 Tonnen gesperrt werden. Der Vorstoß für die Tonnagebegrenzung kam diesmal von der Stadtverwaltung. Man habe festgestellt, dass viele Meißner gegen den Schwerlastverkehr auf dem Plossen seien, so Oberbürgermeister Olaf Raschke.

Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung eine Tonnagebegrenzung auf 7,5 Tonnen angeregt. Das lehnten aber die Stadträte ab. Mit dieser Gewichtsgrenze bekämen auch regionale Firmen ein Problem, die etwa am Bau des neuen Wohngebiets am Stadtblick arbeiteten, so Nico Riefling (CDU). Zudem seien auch die Busse des Öffentlichen Nahverkehrs oder Müllfahrzeuge schwerer.

Die Einigung auf die 20-Tonnen-Begrenzung soll nun ein Ziel erfüllen, das Verwaltung und Stadträte teilen: Vor allem den überregionalen Schwerlastverkehr will man vom Plossen verbannen. Ob das aber im Sinne des LaSuV ist? Das Landesamt sieht die Staatsstraße 177 in ihrem gesamten Verlauf als Verkehrstrasse von überregionaler Bedeutung, gerade auch für den Wirtschaftsverkehr. Die Stadt könnte eine Tonnagebegrenzung einführen – wenn nicht andere Behörden und Institutionen dagegen Einspruch erheben.