Schul-Neubau in der Nassau wird vorgezogen

Die Stadt Meißen geht zwei Schulbau-Vorhaben auf einmal an. Ein neues Schulhaus an der Niederauer Straße wird erst Ausweichquartier für eine Sanierung und dann weiter genutzt.

Meißens Stadtrat hat sich entschieden: Während der Sanierung der Questenberg-Grundschule ziehen Schüler und Lehrer nicht ins Triebischtal um, sondern in die Nassau. Statt einer Containerschule am Mühlweg wird ein Modulbau nahe der Niederauer Straße errichtet.

Das bedeutet, dass die Stadt nun zwei Schulbau-Projekte zu gleicher Zeit angeht. Denn der Modulbau an der Niederauer Straße soll mehr als nur ein Ausweichstandort für die Questenbergschule sein. Er ist als dauerhaftes Schulhaus geplant: Nach 2020 soll dort eine neue Meißner Grundschule angesiedelt werden.

Mehr ausgeben, um am Ende dennoch zu sparen: Das ist das Ziel, das die Mehrheit der Stadträte mit dem Beschluss verfolgt. Der Bau einer Containerschule am Mühlweg wäre zwar mit rund 900.000 Euro deutlich billiger als der voraussichtlich 5,4 Millionen Euro teure Modulbau an der Niederauer Straße. Die Möglichkeit der Nachnutzung biete aber insgesamt die entscheidende Kostenersparnis, so die Befürworter dieser Lösung.

Die Gegner von „einmal bauen, zweimal nutzen“ bezweifeln dagegen, dass der Modulbau in der Nassau für die Stadt tatsächlich ein gutes Geschäft wird. Zwar sei ein Gebäude in dieser Bauweise von einem Massivbau kaum zu unterscheiden, doch werde die Nutzungsdauer von den Herstellern mit nur 25 Jahren angegeben. „Langfristig ist das mit einem Massivbau also nicht zu vergleichen“, so Stadtrat Holger Metzig von den „Freien Bürgern“. „Meißens erster Schulneubau nach langer Zeit sollte Qualität haben.“

Metzig sieht einen Modulbau auch auf lange Frist als falsche Wahl. In 25 Jahren gäbe es in Meißen voraussichtlich weniger Kinder. Dann stünden auch in Meißens historischen Schulgebäuden die nächsten Sanierungen an. „Die Bausubstanz unserer alten Schulgebäude, deren Erhaltung jetzt schon sehr viel Aufwand macht, wird dann aber nicht mehr sanierungsfähig sein.“ Langfristig sollte also der Schulstandort Niederauer Straße bestehen bleiben und dafür eine alte Schule aufgegeben werden.

Auch die Finanzierung des Modulbaus macht den Gegnern Sorgen. Bürgermeister Markus Renner betonte zwar, dass die Stadt die benötigten 5,4 Millionen Euro aus der eigenen Kasse zahlen könne. Das Geld sei im städtischen Haushalt eingeplant. Doch SPD-Stadtrat Matthias Rost warnte, dass Meißen mit dem schnellen Bau die Chance vergebe, Fördermittel für die Errichtung der Schule zu bekommen. „Wir werden diese Schule komplett aus eigener Tasche bezahlen.“ Sachsens Schulhausbau-Programm sehe dagegen eine 40-prozentige Förderung vor. Zudem sei noch nicht klar, ob die geschätzten 5,4 Millionen Euro tatsächlich für den Neubau ausreichten. Ein Planer soll erst jetzt die konkrete Ausführung des Baus vorbereiten.

Der Beschluss für den Modulbau an der Niederauer Straße fiel mit 13 Ja- zu einer Nein-Stimme. Sieben Stadträte enthielten sich. Mit der Zustimmung der Ratsmehrheit hat die Stadtverwaltung nun starken Zeitdruck. Schon im Herbst 2018 sollen Schüler und Lehrer der Questenbergschule in den neuen Modulbau umziehen.

Bis dahin muss nicht nur das Gebäude nutzungsbereit sein. Auch weitere Fragen sind zu klären. Wie kommen die Schüler vom Questenberg täglich auf die andere Elbseite? Bürgermeister Markus Renner: „Zur Schülerbeförderung führen wir Gespräche mit dem Landratsamt und der Verkehrsgesellschaft Meißen.“ Wo wird der Sportunterricht abgehalten? Die Stadt plane den Bau einer zur neuen Schule gehörenden Ein-Feld-Turnhalle, so Renner. Für sie beantrage man auch Fördermittel.