Im Stadtarchiv werden Kisten gepackt

Exakt beschriftet und in Spezialkartons verpackt, sortiert Archivar Tom Lauerwald die historischen Dokumente in die Regale der neuen Archivräume in der Roten Schule Foto: Grau

Nach dem Verwaltungsarchiv zieht nun auch das Historische Archiv der Stadt Meißen in die Rote Schule. Trotz kurzer Wege braucht dieser Umzug Zeit.

Umzugskisten werden im Meißner Stadtarchiv anders gepackt als zuhause. Die Kartons sind kleiner, aber exakt markiert. Jede Akte kommt aus dem Regal in ein eigenes Kistchen. Das wird wiederum mit einem großen Signaturaufkleber versehen, bevor es in den Umzugswagen verladen wird. Am neuen Ort wird nicht mehr ausgepackt, sondern nach System eingelagert. Die historischen Akten kommen in den speziellen Archivkartons in die Regale des neuen Stadtarchivs in der Roten Schule.

Dokumente sichten, verpacken, an den neuen Standort bringen: Seit mehreren Wochen beschäftigt sich Archivar Tom Lauerwald mit kaum etwas anderem. Der Archiv-Umzug braucht Zeit. Im Zweifel muss immer Sorgfalt vor Tempo gehen. „Wir hätten auch eine Umzugsfirma beauftragen können“, sagt Lauerwald. Doch damit hätte man nichts gewonnen: „Die Firma würde uns einfach die Kartons in ein oder zwei Tagen in die neuen Räume stellen. Dann müssten wir noch einmal alle Archivalien in die Hand nehmen, für die Lagerung verpacken und sie dann an die richtigen Stellen des neuen Archivs bringen.“

Also sorgt Tom Lauerwald mit zwei Helfern lieber gleich für einen von A bis Z fachlich organisierten Umzug. Bei rund 2.000 Regalmetern Archivgut ist das eine riesige Aufgabe. Neben den historisch wertvollen Akten müssen auch gut 1.800 Urkunden, etwa 30.000 Bücher, 2.000 Karten und Pläne, 10.000 Grafiken und 6.000 Fotografien Stück für Stück vom Kleinmarkt 5 in die Rote Schule gebracht werden.

Dennoch sind Archivar Lauerwald und Markus Banowski, der Leiter des Hauptamts der Meißner Stadtverwaltung, froh, dass der Umzug jetzt vonstatten geht. „Für Meißen geht damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung“, sagt Banowski. Das Historische Archiv der Stadt gehört zu den wertvollsten in Sachsen, war jedoch bislang unter miserablen Bedingungen untergebracht.

Seit 1929 teilte sich das Archiv im Haus Kleinmarkt 5 den Platz mit der Stadtbibliothek. Doch Archive wachsen, weil immer mehr Erinnernswertes dazukommt. Spätestens seit Ende der 1980er Jahre habe es am Kleinmarkt kaum noch Platz für weitere Dokumente gegeben, sagt Tom Lauerwald. Im alten Archiv wurde jeder Quadratmeter genutzt. Die deckenhohen Holz- und Stahlregale waren voll und ihr Standort nicht gerade sicher. Vor allem der Brandschutz machte den Archivaren Sorgen: Die Räume am Kleinmarkt haben eine veraltete Elektroanlage und keine zeitgemäßen Vorkehrungen für den Fall eines Feuers.

Dagegen bietet nun der neue Standort dem Archiv weit bessere Bedingungen. Nach jahrelangen Planungen hat die Stadt in den vergangenen Monaten die Rote Schule umbauen und mit modernen Installationen, Brandschutz- und Sicherheitstechnik ausrüsten lassen. Am aufwendigsten war dort der Einbau neuer Geschossdecken. Die sollen nicht nur im Fall eines Brandes dem Feuer so lange wie möglich standhalten können. Sie müssen auch schwere Lasten tragen können: bis zu einer Tonne pro Quadratmeter. „Papier hat Gewicht“, weiß Archivar Tom Lauerwald.

Die Archivräume in der Roten Schule sind mit knapp 450 Quadratmetern gut doppelt so groß wie die am Kleinmarkt. Hier hat das Stadtarchiv Platz für Zuwachs. „Die Kapazität sollte für die nächsten 30 Jahre reichen“, sagt Hauptamtsleiter Banowski. Das gilt auch für die neu angeschafften Rollregale, in denen das Archivgut nun gelagert wird. Knapp 100.000 Euro hat die Stadt für deren Anschaffung ausgegeben.

Bereits in die Rote Schule eingezogen sind das Verwaltungs- und das Bauaktenarchiv der Stadt. Sie waren zuvor am Schlossberg 9 untergebracht. Mit dem Umzug wird aus den bisher getrennten städtischen Archiven eines. Nicht nur das ist ein Vorteil für die Nutzer. Ihnen steht am neuen Ort auch ein moderner Leseraum mit vier Arbeitsplätzen zur Verfügung. Tom Lauerwald betont, dass das städtische Archiv jedermann für Recherchen zur Verfügung stehe. „Es gibt da eine gewisse Schwellenangst, aber die ist unbegründet.“

Bleibt noch die Frage, wie die bisherigen Archivräume künftig genutzt werden. Für den Schlossberg 9 lässt sie sich schon beantworten. „Dort zieht der Fundus des Stadttheaters ein“, sagt Hauptamtsleiter Markus Banowski. Die Zukunft der Räume am Kleinmarkt 5 sei dagegen noch nicht endgültig klar.