Festwoche für Heilig Kreuz und Frauenlob

800 Jahre Kloster Heilig Kreuz werden mit viel Musik gefeiert. Helge Landmann, Chef des Meißner Hahnemannzentrums (re.), hat die Festwoche organisiert. Komponist Karsten Gundermann sorgt für eine musikalische Sensation: Er hat das "Kreuzleich" des Meißner Dichters Heinrich Frauenlob nachkomponiert. Foto: Grau

Das frühere Kloster am Meißner Stadtrand blickt auf eine 800-jährige Geschichte zurück. Die Festwoche widmet sich unter anderem einem berühmten mittelalterlichen Dichter.

Das große Jubiläum soll Bleibendes hinterlassen. „Wir wollen mehr als nur die kurzfristige touristische Nutzung“, sagt Helge Landmann. Entsprechend aufwändig hat das Meißner Hahnemannzentrum, dessen Vereinschef Landmann ist, den 800. Geburtstag des Klosters Heilig Kreuz vorbereitet. Die Klosterruine – historisch von großer Bedeutung, in Meißen aber stets im Schatten von Dom und Albrechtsburg – wird zum musealen Ort. Und sie wird Austragungsort eines Kulturereignisses. In der Festwoche zum Klosterjubiläum führt die Elblandphilharmonie zusammen mit einem Gesangsensemble ein Werk des mittelalterlichen Dichters Heinrich Frauenlob auf.

Die musikalische Wiederentdeckung von Frauenlobs „Kreuzleich“ ist für nicht nur Musikwissenschaftler und Germanisten etwas Besonderes. Die Rekomposition des Werks, die am 16. September im Kloster Heilig Kreuz aufgeführt wird, übernahm der Komponist Karsten Gundermann. Er sieht Heinrich Frauenlob, der zwischen 1250 und 1260 in Meißen geboren wurde und 1318 in Mainz starb, als den bedeutendsten Dichter seiner Zeit. „In seinem Werk ist er komplex und innovativ“, sagt Gundermann. „Meißen kann sich glücklich schätzen, diesen berühmten Sohn zu haben.“

Mit dieser Bewertung steht Gundermann keinesfalls allein. Er hat sich in den vergangenen Jahren in der Musikwelt den Ruf eines Frauenlob-Fachmanns erarbeitet. Schon ein weiteres Großwerk des Mittelalter-Dichter, das „Marienleich“, vertonte er neu. Wie auch jetzt beim „Kreuzleich“ übernahm er da die Rolle eines musikalischen Übersetzers. Frauenlobs Kompositionen sind in der heute weitgehend vergessenen Notenschrift der Hufnagel-Neumen notiert. Wer sie in heutige Noten und für heutige Instrumente umschreibt, muss die Klänge und den musikalischen Ausdruck des Mittelalters kennen. „Drei Jahre harte Arbeit“ habe er in die Neufassung des „Kreuzleichs“ investiert, sagt Karsten Gundermann – Begleitung durch spezialisierte Historiker und Sprachwissenschaftler inklusive. Die Wiederaufführung des „Kreuzleichs“ in Meißen wird von der Fachwelt mit Interesse begleitet.

An der Evangelischen Akademie werden sich Mittelalter-Spezialisten am 15. und 16. September eigens zu einer Tagung über Heinrich Frauenlob treffen. Mit dabei sind Wissenschaftler von deutschen Universitäten, aus den USA und aus Irland. Helge Landmann hofft, dass das Treffen und die Musik auch in Meißen den vergessenen großen Sohn der Stadt wieder stärker ins Bewusstsein rücken. Frauenlob galt zu seinen Lebzeiten als einer der größten Dichter und Denker. Was Landmann besonders gefällt: „Er dachte fächerübergreifend.“ Tatsächlich fließen Philosophie, Theologie und Erkenntnisse anderer Wissenschaften in Frauenlobs Werken zusammen. In Vergessenheit gerieten sie erst, als im 18. Jahrhundert die Tradition der deutschen Meistersinger abbrach, die Frauenlob als ihren Stammvater betrachtet und seine Kompositionen bis dahin überliefert hatten.

Die „Frauenlob-Zeit“ ist jedoch nur einer Etappe der 800-jährigen Geschichte von Heilig Kreuz. Die Klosterruine am Stadtrand von Meißen ist ein wichtiges Zeugnis der sächsischen Geschichte: Erst jetzt soll hier aber ein Museum eingerichtet werden, das diese Bedeutung würdigt. Ein erster Schritt zur Schaustätte wird in der Festwoche getan. Auf dem Klostergelände werden neue Informationstafeln aufgestellt und feierlich eingeweiht. Wie Helge Landmann sagt, soll die Ausstellung folgen: „Wir bereiten sie gerade vor. Das wird noch etwas Zeit brauchen. Ich erwarte die Eröffnung für nächstes Jahr.“ Der passende Ort für die Präsentation ist bereits gefunden. Genutzt wird ein Raum im früheren Kapitelhaus des Klosters. Vermutlich befand sich dort einst die Sakristei.

Die Reste des einstigen Altars der Klosterkirche wurden schon 1996 wiederentdeckt. Sie bekommen nun einen schützenden, künstlerisch gestalteten Baldachin. Auch er wird in der Festwoche feierlich eingeweiht.

Die Festwoche zum 800. Jubiläum des Klosters Heilig Kreuz beginnt am 14. September und endet am 21. September. Am 14.9. um 17.00 Uhr wird in der Kirchenruine der Baldachin über den Altarfragmenten eingeweiht. Am 16.9. um 17.00 Uhr beginnt die erste Aufführung des nachkomponierten „Kreuzleichs“ von Heinrich Frauenlob. Eine zweite Aufführung ist für den 17.9., 15.00 Uhr geplant. Karten für diese musikalischen Programmpunkte kosten 18, ermäßigt 15 Euro. Am 18.9. wird um 17.00 Uhr im Kloster die erste Station eines neuen „Novaliswegs“ durchs Meißner Land eingeweiht: Dazu gibt es ein künstlerisches Programm. Am 19.9., 18.00 Uhr, begeht man feierlich die Eröffnung des neuen Informationssystems zur Klostergeschichte. Am 21. 9., ab 19.00 Uhr, hält Professor Enno Bünz, Spezialist für sächsische Landesgeschichte, im Kloster einen Vortrag über „Herzog Georg und die Klöster“.