Kunst- und Kulturpreis für Jörg Danielczyk

Jörg Danielczyk gestaltete die Formensprache des Meissener Porzellans mit Foto: Grau

Die Meißner Auszeichnung für Künstler geht 2018 an den früheren Chefplastiker der Porzellan-Manufaktur. Für die war er auch als Ausbilder wichtig.

Der Kunst- und Kulturpreis der Stadt Meißen wird 2018 an Jörg Danielczyk verliehen. Gut 40 Jahre arbeitete der Plastiker und Designer als künstlerischer Gestalter in der Porzellan-Manufaktur Meissen. Ab 1994 prägte er als Leiter der Abteilung „Künstlerische Entwicklung“ und als „Chefplastiker“ die Formensprache des Meissener Porzellans mit.

Eine sechsköpfige Jury wählte Danielczyk unter fünf Vorgeschlagenen als Preisträger aus. Die Stadt Meißen vergibt ihren mit 2.000 Euro dotierten Kunst- und Kulturpreis alle zwei Jahre. Geehrt würden Meißner, die mit ihren Arbeiten das Bild der Stadt in der Kunst wesentlich prägen, so Oberbürgermeister Olaf Raschke. Bei Jörg Danielczyk ist das auch wörtlich zu verstehen. Von ihm geschaffene Kunstwerke sind im Stadtbild präsent: etwa der nach Entwürfen Kaendler entstandene Kasuar auf dem Brunnen an der Altstadtbrücke.

Zum Meißner Kunst- und Kulturpreis hatte Danielczyk schon lange eine Verbindung. Nicht nur, dass der erste Preisträger im Jahr 2001 der Porzellangestalter Ludwig Zepner war: „Von ihm habe ich viel gelernt.“ Jörg Danielczyk war es auch, der alle zwei Jahre die von der Manufaktur gesponserte Trophäe aus Meissener Porzellan entwarf – jedes Mal ein Unikat, bei dem er auf Besonderheiten von Person und Werk des jeweiligen Preisträgers Bezug nahm. Die Trophäe, die er selbst bei einem Festakt am 6. September bekommt, wird ebenfalls aus der Manufaktur stammen. Entwerfen wird sie jedoch ein Nachfolger Danielczyks: „Ich bin sehr gespannt, was man sich für mich ausdenken wird.“

Apropos Nachfolger: Für die Manufaktur sei Jörg Danielczyk schon deshalb ein besonderer Künstler gewesen, weil er über viele Jahre Berufsnachwuchs an die künstlerische Gestaltung des Porzellans herangeführt habe, so Meissen-Geschäftsführer Tillmann Blaschke. Bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand vor einigen Monaten bildete Danielczyk in der Manufaktur Meisterschüler aus. „Über 30 Jahre hat er sein Wissen weitergegeben. Das war für die Manufaktur besonders wertvoll“, so Blaschke.

Jörg Danielczyks bekanntester Entwurf ist wahrscheinlich die lebensgroße „Saxonia“ aus Meissener Porzellan, die ein Kleid mit hunderten Schneeballblüten trägt. Einen Namen machte sich Meißens jüngster Kunst- und Kulturpreisträger aber auch mit seinen Tierplastiken. Aufsehen erregte zum Beispiel die von ihm entworfene Skulptur eines Weißkopfseeadlers für die amerikanische Botschaft in Berlin. „Stolz und wachsam sollte der Ausdruck des Tiers sein, aber nicht überheblich“, erinnert sich Jörg Danielczyk. Gefragt war also das Porträt eines Tier-Charakterkopfs. Da gelte wie für jede Plastik eine wichtige Regel, sagt der Künstler: „Man muss den Moment kennen, man muss das Wesen des Porträtierten erfassen.“