Familientreffen in Gobelin und Skulptur

Robert Metzkes: "Goethe in Rom" Foto: Hennig

Das Stadtuseum Pirna zeigt Werke von Elrid und Robert Metzkes. Textil- trifft dabei auf Bildhauerkunst.

Leuchtende Gobelins und lebensgroße Skulpturen von Elrid und Robert Metzkes bestimmen die Ausstellung „Ornament und Figur“. Sie verleihen dem Raum im Stadtmuseum Pirna eine besondere Atmosphäre. Zwischen mit farbigen Mustern und Szenerien überkleideten Wänden haust ein irdenes Volk vom gleichen Stamm. Denn bei den Künstlern handelt es sich um engste Verwandte. Der Sohn Robert Metzkes und dessen 2014 verstorbene Mutter Elrid wurden in Pirna geboren.

Der künstlerische Stammbaum der Metzkes fächert sich weit aus. Dem Maler Harald Metzkes, der vor dem Kunststudium in seiner Heimatstadt Bautzen noch das Steinmetzhandwerk erlernte, begegnet die gelernte Damenschneiderin Elrid Fiebig während ihres Studiums im Fachbereich Textil an der Dresdner Kunsthochschule. 1953, im Jahr ihres Studienabschlusses, heirateten sie. Auf den 1952 geborenen Sohn Robert, den Bildhauer, folgen im Jahresabstand noch zwei weitere Kinder. Enkeltochter Ute Metzkes musizierte nun zur Ausstellungseröffnung am 24. März und spielte wenige Tage später in einem Galeriekonzert ein Programm mit Liedern, Madrigalen und Tänzen der Renaissance und des Barock.

Die gebundene Fröhlichkeit dieser Musikgattung passt ausgezeichnet zu den Exponaten der Ausstellung. Robert Metzkes wählt den Vergleich mit der Musik für die Beschreibung der Arbeitsweise seiner Mutter: „Die Gobelinweberin arbeitet, nur einen schmalen Streifen übersehend, während das Gewebte Stück für Stück auf den Warenbaum aufgerollt dem Blick entzogen ist, dem Plan ihres Kartons folgend, wie einer Partitur.“ Aquarelle mit Entwürfen von Elrid Metzkes für ihre textilen Arbeiten verdeutlichen den Anspruch malerischer Wirkungen im Gewebe. Diese in der Bändigung der Fäden sich auswirkende sanfte Beharrlichkeit strahlt kräftig von der Fläche der fertigen Webbilder ab. Neben den Gobelins sind Patchworks und Quilts zu sehen.

Solche Stimmung beheimatet die Terrakotta-Skulpturen von Robert Metzkes. Deren Haltung ist von klassischer Selbstverständlichkeit. Da stochert nichts unruhig im Raum herum: Die Lebensruhe strahlt eine große Kraft aus. Seine Sitzende im gestreiften Kleid hält anmutig den Kopf geneigt. Im kleineren Format ruht Goethe, wie ihn Tischbein in der Campagna malte, seiner römischen Geliebten gegenüber. Während ein Harlekin Wolfgang und Faustina serviert, hält E. T. A. Hofmann nachdenklich das Haupt gestützt. Ob er an seine Julia denkt?

Unter dem dunklen „Dreispitz“ blickt ein knabenhaftes Gesicht hervor. Dann sind drei Köpfe auf ihren Sockeln zur Gruppe zusammengerückt und halten ein stummes Gespräch. Denn jeder, wie er auch einzeln vor sich hinschaut, trägt das Abbild des anderen im Auge. Hinter dem Trio hängen zwei große Bildteppiche auf der Wand. Beide enthalten eine ganze Welt. Links bricht ein Nashorn durch die Savanne. Exotische Vögel fliegen auf. Rechts hängt eine Auftragsarbeit für eine große Berliner Buchhandlung. Ein Globus vor himmelblauen Grund wird unterteilt und zusammengehalten von Schriftzeichen und Bildsymbolen. In Schmetterling, Blume und Walfisch buchstabiert sich die Welt.

Nicht nur dem „Zirkuspferd“ stäubt der Sand der Manege unter den Hufen. Auch im geometrischen Zickzack, in Rhomben, Wellen und Zaubersprüngen bleibt das Ornament immer lebensvoll. Die Stille ist beredt. Bei gemalten Bildern setzt der Künstler etwas in die Fläche des Bildes, das nach den Regeln seiner Kunst erkundet werden kann. Bei den aus Wolle und Erde gefügten Geweben und Skulpturen wird die Aura zu einem großen Teil von der puren Materialität bewirkt. Wenn das Material zugleich nach seinem Wesen und in der Art des Gestalters Form gewinnt, dann vervielfältigt sich die Zauberkraft des Stoffes.

„Ornament und Figur“ im Stadtmuseum Pirna bis 24. Juni