Künstlerische Eindrücke von der "anderen Seite"

Auch Ulla Andersons Bld vom "Atelier im Bauernhaus" ist zu sehen Foto: Hennig

Im Foyer der Landesbühnen Sachsen in Radebeul ist eine Gemeinschaftsausstellung zu sehen. Die Arbeiten entstanden vor allem im Linkselbischen.

Im September vor zwei Jahren lud die Malerin Franziska Kunath zum ersten Mal Künstlerfreunde zum gemeinsamen Arbeiten auf ihren Hof nach Röhrsdorf ein. Die Zusammenarbeit im Linkselbischen trug Früchte, wie nun in einer Ausstellung im Foyer des Stammhauses der Landesbühnen Sachsen in Radebeul zu sehen ist. Der Titel der Schau: „Die andere Seite“.

Bereits zwei Mal hat man es nun schon so gehalten. Nach Abschluss des Röhrsdorfer Pleinairs werden die Ergebnisse am Ort ihrer Entstehung präsentiert. Diese Schau mit begleitenden Veranstaltungen und die ihr vorangegangenen Tage des Schauens und Formens sind getragen vom Charme ländlicher Abgeschiedenheit. Ob die Werke auch über diese Konstellation hinaus ihre Wirkung behalten oder sogar steigern, wurde dann in einer Ausstellung mit dem Titel „Die andere Seite“ in der Stadtgalerie Radebeul erprobt. Unter demselben Titel sind jetzt die Ergebnisse der 15 Teilnehmer des letztjährigen Pleinairs im Foyer der Landesbühnen Sachsen ausgestellt.

Die milde und begütigende Gestalt der Landschaft zieht sich als ein unendliches Ornament durch alle Arbeiten. Mal wirkt sie mehr symbolisch, dann wieder ganz konkret. Anna Gorsleben stellt „Zwei Vögel“ einander gegenüber. Rita Geislers „Alter Rosenbusch“ neigt sich im goldenen Sonnenglanz. Über den Himmel von Franziska Kunaths großer Landschaft zieht anmutig ein Fisch. Nadja Göschel umgibt ihre Schafe mit Deckweiß, so dass sie sich aus der rauen Oberfläche des Packpapiers abheben. Ulla Anderson erfasst mit schlichtem Zugriff das Domizil der Gastgeberin als „Atelier im Bauernhaus“. Zwei ihrer farbigen Bilder ergänzen sich zu einem Panorama der Umgebung. Der baumumstandene Feldweg zieht sich durchs „Meißner Land“. Dann stehen blaue Metalltonnen zwischen den Büschen eines Gartenplans.

Susan Wittwer geht Licht- und Schattenwirkungen der „Apfelblüte“ nach. Ihre Zuwendung zu einer „Feldhecke“ erhöht den gleichgültigen Ort in den Rang einer grafischen Handlung. Ähnliche Dringlichkeit verleiht Maja Nagel dem „Gelände“. Mit Kohlestrichen breitet sie die Linien von Feldern und Hügeln hin. Markant lauert ein Gestrüpp im Vordergrund.

Sowohl verwandte Motive, wie auch dieselbe Technik lassen erst recht die verschiedenen künstlerischen Temperamente hervortreten. Rita Geislers Kaltnadelradierungen sind mit ihren Spiegelungen auf der Wasserfläche und der knorrigen Gestalt alter Bäume beinahe fernöstlich meditativ. Sylvia Fenk spannt wiederum windgebeugte Äste und sturmgepeitschte Sträucher expressiv in ein riesiges Format.

Nicht immer sind aber die linkselbischen Gefilde dargestellt. Unter den gezeigten Arbeiten finden sich Ausflüge in den mediterranen Raum. Die Landschaften in Kreide und Grafit von Barbara Wiesner sind vom Blick auf Mallorca bestimmt. Die Dörfer in den linkselbischen Tälern sind abgelegen wie eine Insel im Meer. Über einem Gebüsch am Feldrain könnte sich in der Dämmerung auch ein verwachsener Kirschbaum in Wiesners mit Pflöcken gespickte Holzskulptur des „Inuit“ verwandeln. In Gerrit Höfigs griechischer Landschaft berührt uns Verwandtes und auch Sylvia Fenks kann Sehgewohnheit einer heimischen Streuobstwiese auf einen fernen „Olivenhain“ übertragen.

Eine ganz eigene Atmosphäre entfalten die Radierungen von Hans-Jürgen Reichelt. Die Gestalt der meißnischen Landschaft weitet sich zur Bühne eines ebenso traulichen wie unheimlichen Geschehens. Um den „Hof bei Lommatzsch“ versammelt sich eine ganz verschiedenartige Gesellschaft von Baumfiguren. Der beruhigten Horizontale, zu der sich Reichelts radierte Weltsicht neben der Saaltür reiht, begegnet man wieder in Anita Rempes Gemälde der „Elbe“. Ihr Tubaspieler ist dagegen eine Reminiszenz an den Ausstellungsort. Der sperrige Kopf des Musikers mit der markanten Nase wird durch den gewaltigen Krater seines Blechblasinstruments überragt.

Anke Kutzschbauchs Nähbilder enthalten kostbare Miniaturen nach Bildvorlagen von Édouard Manet. Maria Mednikovas aus Ölfarbe breit hingespachtelte Baumreihen und Pappeln an der Elbe werden durch herausgekratzte Striche belebt. Cornelia Konheiser rückt nahe an die Bäume und Sträucher heran und bewirkt damit einen Camouflage-Effekt. Der kühle Quader des Theater-Hauptfoyers wird mit der immergrünen Malerei wie ein Glashaus belebt. Viele Bilder finden auf bemessenen Raum Platz, ohne sich gegenseitig zu behindern. Noch bis Ende Mai können Theaterbesucher in den Pausen und vor den Vorstellungen durch eine Vegetation der „anderen Seite“ flanieren.

Bis Ende Mai im Foyer der Landesbühnen Sachsen, geöffnet jeweils ab eine Stunde vor den Vorstellungen