Ein Dialog zwischen zwei Künstlern

Skulpturen von Ernst Barlach und Gemälde von Alexander Dettmar halten ab 21. April in der Albrechtsburg Meißen "Zwiesprache" Foto: Grau

Die Albrechtsburg Meißen zeigt Werke des berühmten Ernst Barlach neben Gemälden des zeitgenössischen Malers Alexander Dettmar. Der Titel der Ausstellung lautet "Zwiesprache".

Warum in der Albrechtsburg die Werke zweier norddeutscher Künstler ausgestellt werden? „Die beiden haben viele Verbindungen nach Sachsen“, sagt Burg-Leiter Uwe Michel. Im Falle von Ernst Barlach wäre das zum Beispiel sein Kunststudium in Dresden. Von 1888 bis 1895 lebte Barlach in der sächsischen Hauptstadt, war unter anderem Meisterschüler des Bildhauers Robert Diez. Sehr wahrscheinlich lernte der angehende Künstler in jenen Jahren auch Meißen kennen.

Künstler Nummer Zwei, dessen Werke ab dem 21. April in der Albrechtsburg zu sehen sind, hat sich spätestens in Meißen verliebt, als er „Klosterhofmaler“ in der Evangelischen Akademie war. Alexander Dettmar, geboren 1953 in Freiburg, erklärt unumwunden: „Jedes Bild ist eine Liebeserklärung. Man kann ja nur malen, was man auch wirklich darstellen will.“ Meißen wollte Dettmar darstellen: Er schuf für die Ausstellung gleich elf Stadtansichten.

„Zwiesprache“ heißt die Ausstellung, die die Werke Barlachs und Dettmars jetzt in der Albrechtsburg zusammenbringt. Und tatsächlich scheinen Barlachs Skulpturen und Dettmars Gemälde miteinander zu kommunizieren. Figuren und Städtebilder kontrastieren und ergänzen sich. Es ist ein sehenswerter Dialog.

Denn über die Zeiten hinweg ähneln sich die künstlerischen Sprachen. In der Bildhauerei und der Malerei setzen Barlach und Dettmar auf klare Linien und abstrahierte Formen. Und den Worten Alexander Dettmars hätte vielleicht auch Ernst Barlach zugestimmt: „Die Straße ist mein Atelier.“

Während der Bildhauer in vielen seiner Skulpturen die Menschen von der Straße – Bettler, Sänger, müde Wanderer – darstellte, interessiert den Maler die Architektur. Die Gemälde von Alexander Dettmar, die in der Albrechtsburg gezeigt werden, zeigen Straßenszenen aus verschiedenen Städten: menschenleer, doch mit besonderem Zauber. Den Künstler interessieren vor allem die Silhouetten der Gotteshäuser, die den Anblick der Städte prägen.

Die Ausstellung in der Albrechtsburg wird auch von der Evangelischen Akademie der Sächsischen Landeskirche präsentiert. In deren Domizil an der Freiheit ist eine kleinere Schau mit Werken von Alexander Dettmar zu sehen. Eine Ausstellung mit „leiserer Atmosphäre“ verspricht Kerstin Schimmel von der Evangelischen Akademie für den Kreuzgang des ehemaligen Afra-Klosters. Zerstörte sakrale Orte sind das Thema der Bilder, die dort unter dem Titel „Steinerne Erinnerungen“ gezeigt werden. Die Evangelische Akademie steuert zur Ausstellungskooperation auch eine Tagung bei. Am 20. und 21. April ergründen deren Teilnehmer Leben und Werk von Ernst Barlach. „Das Interesse ist riesengroß“, so Kerstin Schimmel. Die Tagung ist bereits ausgebucht.

Neben der Ernst-Barlach-Museumsgesellschaft Hamburg beteiligt sich auch die Porzellan-Manufaktur Meissen an der Doppelschau in der Albrechtsburg. Hier tut sich noch eine Verbindung von Norddeutschland nach Sachsen auf. Als freier Künstler gestaltete Ernst Barlach in den 1920er Jahren für die Manufaktur sein „Schlafendes Bauernpaar“ und den „Schwebenden Gottvater“ in Böttgersteinzeug. Beide Figuren sind als Leihgaben in der Albrechtsburg zu sehen.

„Zwiesprache – Ernst Barlach und Alexander Dettmar“: in der Albrechtsburg Meißen bis zum 22. Juli

„Steinerne Erinnerungen“ – Werke von Alexander Dettmar: in der Evangelischen Akademie Meißen bis zum 22. Juli

„Painting to Remember – Zerstörte deutsche Synagogen“ – Werke von Alexander Dettmar: im Historischen Museum Bamberg bis zum 14. Oktober