Heimspiel für die Hebamme und ihren Ritter

Luca Lehnert wird die rothaarige Hebamme Marthe, Michael Berndt-Cananá ihren geliebten Ritter Christian spielen Foto: Landesbühnen

Die Landesbühnen Sachsen adaptieren als erstes Theater ein Werk aus der "Hebammen"-Reihe von Sabine Ebert. In Meißen sind im Sommer drei Aufführungen geplant.

In großer Runde, an ungewöhnlichem Ort: So kündigt man spektakuläre Vorhaben passend an. Die Landesbühnen Sachsen hatten vor wenigen Tagen in den Dresdner Stallhof geladen, um ihre für den Sommer geplante Inszenierung „Das Geheimnis der Hebamme“ vorzustellen. Feinster Theaterstoff mit Mittelalter-Thema: Die Premiere soll am 8. Juni auf der Rathener Felsenbühne stattfinden, drei Aufführungen bei den diesjährigen Meißner Burgfestspielen sind bereits fix.

In Buchform begeisterte die „Hebammen“-Reihe von Sabine Ebert Millionen Leser. Etwas Besonderes an der Landesbühnen-Adaption ist nun der ausdrückliche Segen der Autorin. Sabine Ebert war nicht nur zur Pressekonferenz nach Dresden gekommen. Sie begleitet offenbar auch mit großem Interesse die Entstehung der Bühnenversion, für die wiederum Theaterautorin Odette Bereska verantwortlich zeichnet. Die Regie wird dann in den Händen von Landesbühnen-Intendant Manuel Schöbel liegen. Die Schriftstellerin und der Regisseur kennen sich aus Freiberg: Schöbel war dort Intendant des Mittelsächsischen Theaters, als Ebert – noch im Hauptberuf Journalistin in Freiberg – ihre ersten Bücher herausbrachte.

Ein paar Jahre später, Anfang 2018, steht nun schon fest, welche Schauspieler als erste auf einer Theaterbühne die Hauptrollen von „Hebamme Marthe“ und „Ritter Christian“ übernehmen werden. Luca Lehnert spielt mit Rothaar-Perücke die kräuter- und heilkundige Geburtshelferin, um die der edle Adlige alias Michael Berndt-Cananá freit. Gemeinsam bestehen sie ihre Abenteuer in der Mark Meißen zu Beginn des 12. Jahrhunderts. Geschildert wird die deutsche Besiedlung des heutigen Sachsens.

Sabine Ebert wob viel Lokalkolorit in ihre „Hebammen“-Bücher ein. Eine große Rolle spielen das erste Berggeschrey und die frühe Geschichte von Christiansdorf, dem heutigen Freiberg. Als ein großes Plus der „Hebammen“-Reihe gilt ihre historische Genauigkeit. Während andere Bücher des Genres oft eher Mittelalter-Fantasy sind, hat Sabine Ebert umfangreich recherchiert und kundig geschrieben.

Diese Orientierung an den Fakten soll nun auch auf die Theaterversion übertragen werden – ohne die Herz-, Schmerz- und Show-Effekte zu vergessen, die das Publikum in die Inszenierung lockt. Sabine Ebert lobt Odette Bereska, die den Kern ihrer Geschichte erfasst habe und ihn nun bestens für das Theater aufbereite. Schon jetzt steht fest, dass es viel Volk brauchen wird, das turbulente Geschehen aus sächsischer Frühzeit auf die Bühne zu bringen. Einen Großteil des Landesbühnen-Ensembles, dazu Komparsen, Stuntleute und auch Mitglieder der „Interessengemeinschaft Mark Meißen 1200“, wird Regisseur Manuel Schöbel zu „dirigieren“ haben. Die letztgenannten historisch bewanderten Schauspiel-Laien sollen zum Beispiel Meißner Edelleute und Bürger verkörpern.

Die Aufführungen auf dem Meißner Domplatz – sozusagen in der Herzkammer der historischen Mark Meißen – sind für den 21., 22. und 23. Juni geplant. Großes Interesse des Publikums darf angenommen werden. Auch weitere Bühnenadaptionen im Namen der Ebertschen „Hebamme“? Darüber verlautet noch nichts. Gut bekannt ist aber, dass es insgesamt fünf „Hebammen“-Bücher gibt: feinster Theaterstoff mit Mittelalter-Thema.