Ein Sonnyboy entdeckt den Zauber der Liebe

Bobby und seine Freunde auf der Radebeuler Bühne: im Musical "Company" Foto: König

Mit dem Musical "Company" gibt Regisseur Sebastian Ritschel seinen Einstand als neuer Musiktheater-Chef der Landesbühnen Sachsen.

Muss es Liebe sein oder reicht die Freundschaft? Ist der Mensch erst mit der Heirat voll und ganz erwachsen? Zugegeben: Die Fragen, an denen sich die Protagonisten von Stephen Sondheims Musical „Company“ abarbeiten, klingen ein wenig nach einer Nabelschau arrivierter Wohlstandsbürger. Doch tatsächlich bietet das Früh-Seventies-Stück in einer Inszenierung an den Landesbühnen Sachsen hörens- und sehenswerte Unterhaltung. In Personalunion als Regisseur und Ausstatter gibt Sebastian Ritschel damit einen beschwingten Einstand als neuer Radebeuler Operndirektor.

Raffinierte Musik, hoher Schauwert in Ausstattung und Choreografien, lustvoll agierende Sängerinnen und Sänger: Mit dieser Mischung ist „Company“ eine schöne Entdeckung auf dem Landesbühnen-Spielplan. Selbst die Handlung erweist sich schließlich als weit weniger läppisch, als es der erste Anschein vermuten lässt. Da begegnen die Zuschauer dem New Yorker Sonnyboy Robert (Markus Schneider) zunächst an seinem 35. Geburtstag. Seine Freunde haben sich um ihn versammelt, um ihm vor allem eins zu wünschen: eine Frau, die ihn liebt und heiratet.

Nicht, dass Bobby über Mangel an Gelegenheiten zum Verlieben klagen müsste. Der Mann wird von den Frauen umschwärmt. So unterschiedliche Charaktere wie die scheue Kathy (Julia Harneit), die toughe Großstadt-Göre Martha (Anna Preckeler) und die dampfplaudernde Stewardess April (Kirsten Labonte) gehören zu seinen aktuellen Gespielinnen. Doch Robert mag es in Sachen Liebe eigentlich nicht heiß, sondern lauwarm. „Lieb mich ein bisschen, aber nicht zu sehr …“: Dieser Gesang fasst seine ambivalenten Gefühle gegenüber festen Bindungen gut zusammen.

Zumal Robert beim Blick in seinen Freundeskreis feststellen muss, dass es mit Liebe auch in ehelichen Beziehungen nicht immer einfach ist. Sarah (Stephanie Krone) und Harry (Michael König) brauchen durchaus handfest ausgetragenen Streit, um sich ihrer Zuneigung zu versichern. Susan (Anna Erxleben) und Peter (Stefan Glause) trennen sich und fühlen sich dennoch verbunden. Jenny (Iris Stefanie Maier) und David (Andreas Petzold) probieren sich beim Kiffen aus und machen sich Spießigkeit zum gegenseitigen Vorwurf. So fein, wie Autor Sondheim Leid und Glück dieses „Sowohl als auch“ beobachtet hat und wie es Regisseur Ritschel auf die Radebeuler Bühne bringt, wirken die Charaktere aus „Company“ gar nicht gestrig, sondern wie Zeitgenossen.

Zwei Paarungen des Stücks bleiben durch energische Damen besonders lebhaft in Erinnerung. Antje Kahn spielt und singt furios die Partie von Amy, die kurz vor der Hochzeit mit Paul (Kay Frenzel) kalte Füße bekommt. Äußerlich abgeklärte Grand Dame, innerlich leidenschaftlich wütend (und vielleicht auch liebend): Das ist Joanne (Patricia Hodell), die an der Seite von Larry (Hagen Erkrath) ihr luxuriöses Leben führt.

Mit einer minimalistischen Kulisse aus unterschiedlich beleuchtbaren Quadraten gibt Sebastian Ritschel dem Stück einen großstädtisch eleganten Rahmen. Die Choreografien haben den dazu passenden Esprit. „Company“ ist ein Stück über Paare im New York von 1970, das aber auch in jeder heutigen Stadt spielen könnte.

Die Elbland-Philharmonie liefert dazu unter dem Dirigat von Hans-Peter Preu einen gelungen swingenden Sound. Einziges Manko bleibt da die über Strecken zu hohe Lautstärke der Musik. Der fast brüllende Orchesterklang und die mikrofonverstärkten Stimmen der Sänger mischen sich dann im ohnehin akustisch schwer zu beherrschenden großen Saal des Radebeuler Theaters zu einem kaum verständlichen Klangbrei. Nobody is perfect - auch wenn die Radebeuler Inszenierung dem Ideal des Musical-Genusses schon recht nahe kommt.

Wieder am 4. und 9. November