Viele neue Baustellen auf Bundes- und Staatsstraßen

Die Meißner Niederlassung des Landesamts für Straßenbau und Verkehr hat in diesem Jahr ein umfangreiches Bauprogramm. Auch an der B101 in Meißen wird weiter gearbeitet.

Mit dem Thema Straßenbau machen die Meißner derzeit jeden Tag ihre Erfahrungen. Auf der Bundesstraße 101 wird zwischen Elbbrücke und Karlstraße die Fahrbahn erneuert, die Fabrikstraße ist am Beyerlein-Platz gesperrt. Besonders im Berufsverkehr droht auf den Umleitungen wie auf den Schleichwegen drumherum Stau.

„Im Augenblick hat sich der Verkehr einigermaßen stabilisiert“, sagt Holger Wohsmann, Chef der Meißner Niederlassung des Landesamts für Straßenbau und Verkehr (LaSuV) und als dieser oberster Verantwortlicher für die Bundesstraßen-Baustelle. „Wenn sich die Umleitung wieder ändert, braucht es dann wieder ein bisschen, bis sich alles einspielt.“ Die Umleitungen werden sich wieder ändern. Stück für Stück gehen die Arbeiten auf den 1,3 Kilometern voran – bis Mitte oder Ende Mai. Auf ein genaues Datum für das Bauende will sich im LaSuV derzeit keiner festlegen. Erst jüngst sorgten im Sperrschatten vorgenommene Arbeiten eines Energieversorgers für Verzögerungen.

Die nächste Bauetappe an der B101 durch Meißen kündigt Holger Wohsmann bereits jetzt an. In der zweiten Jahreshälfte soll die Fahrbahnerneuerung auf der Großenhainer Straße fortgesetzt werden. Die Arbeiten im Abschnitt zwischen Karlstraße und Leitmeritzer Bogen werden nicht einfacher als die jetzigen. Auf der viel befahrenen Strecke droht bei halbseitiger Sperrung neuer Stau.

Die Bau-Fortsetzung an der B101 – voraussichtlich vom Sommer oder Herbst bis ins kommende Jahr – ist nur eines von vielen Projekten, die die Meißner LaSuV-Niederlassung demnächst umsetzen will. Für die Landkreise Meißen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge kündigt Wohsmann 13 neue Bundesstraßen- und 24 neuen Staatsstraßen-Baustellen an.

In der Meißner Region wird nicht nur in der Kreisstadt selbst gearbeitet. Die B6 bekommt zwischen August und Oktober in und bei Zehren eine neue Asphaltdecke. Gleiches gilt für die B101 zwischen Juli und Oktober in Nossen und auf einigen Abschnitten südlich von Meißen. Im Juni wird die Fahrbahn der Bundesstraße zwischen Priestewitz und Großenhain erneuert.

Auf diversen Staatsstraßen wird es wegen Bauarbeiten Vollsperrungen geben: ab Juli bis Dezember 2019 zwischen Piskowitz und Schieritz, ab Juni bis September auf der S80 in Weinböhla, im Juni und Juli auf der Weinböhlaer Straße in Coswig. Die Liste ist damit längst noch nicht vollständig. Die Meißner und Berufspendler wird besonders die Vollsperrung der Staatsstraße 177 treffen. Von September 2018 bis voraussichtlich Juli 2019 bekommt die Strecke zwischen Ortsausgang Meißen und dem Richtung Radeburg gelegenen Ortsausgang von Gröbern eine neue Fahrbahndecke.

Kilometerweise neuer Asphalt auf Straßen, die für den Laien noch leidlich „in Ordnung“ aussehen: Das sei Teil einer neuen Strategie des Landesamtes, führt Holger Wohsmann aus. Nach dieser stehe Erhaltung im Vordergrund. Grundlegender Aus- und Umbau von Straßen sei dagegen immer langwieriger zu planen und schwer zu finanzieren.

Zudem seien viele der Bundes- und Staatsstraßen in der Region in die Jahre gekommen, auch wenn man ihnen das nicht auf den ersten Blick ansehe. Fachleute rechneten mit einer Lebensdauer von zehn Jahren für eine viel befahrene Asphalt-Straßendecke. „Die B101 in Meißen, die wir jetzt anpacken, liegt so aber schon seit 20 Jahren. Wir müssen jetzt rangehen, wenn wir verhindern wollen, dass ein deutlich größerer Investitionsbedarf entsteht.“ Ähnlich sei es bei allen jetzt geplanten Baustellen. Sei eine Fahrbahn erst einmal erneuert, bleibe die Strecke höchstwahrscheinlich für das nächste Jahrzehnt, idealerweise noch länger, baustellenfrei.

Sollte das ehrgeizige Bauprogramm der LaSuV-Niederlassung ins Stocken geraten, kommen dafür vor allem zwei Ursachen in Frage. Zum einen treffen im Landesamt steigende Planungsanforderungen auf eine immer dünnere Personaldecke. Holger Wohsmann berichtet unter anderem von der neuen EU-Richtlinie zum Wasserschutz, die es nun samt zusätzlich nötigen Untersuchungen, Nachweisen und Anfechtungsmöglichkeiten zu beachten gilt. Zum anderen gelte für die Straßenbauverwaltung immer noch ein Personalkonzept des Freistaats, laut dem Mitarbeiterstellen einzusparen seien. LaSuV-Sprecherin Isabel Siebert formuliert es diplomatisch-neutral: „Wir setzen mit den gegebenen Mitarbeitern und Mitteln das maximal Mögliche um.“

Zum anderen spürt man auch im LaSuV die Auswirkungen der hochtourigen Baukonjunktur. „Da haben wir in allen Niederlassungen mit den gleichen Problemen zu kämpfen“, so Sprecherin Isabel Siebert. „Die Angebote der Firmen werden teurer. Es gibt auch Ausschreibungen, auf die sich gar keine Unternehmen bewerben.“ Besonders stark sei der Preisanstieg für Ingenieurbauwerke wie zum Beispiel Brücken. Holger Wohsmann: „Die Ingenieurbüros und Baufirmen sind ausgelastet. Die Firmen in der Region schaffen es kaum noch: weder von der Auftragsmenge, noch von der Zahl der verfügbaren Mitarbeiter.“

Und dann ist da noch ein weiteres Problem: Das Verständnis dafür, dass Straßenbau mit Verkehrseinschränkungen und Umleitungen einhergehe, sinke, sagt LaSuV-Sprecherin Siebert. „Die Akzeptanz für unsere Bauvorhaben ist geringer geworden.“ Man bemühe sich, rechtzeitig zu Baumaßnahmen zu informieren und die Wünsche von Betroffenen umzusetzen. Das bringe das Amt bei Planungen jedoch in ein Dilemma. Nicht nur, weil mancherorts eben nur unter Vollsperrung gebaut werden könne. „Wir müssen bei Bauvorhaben immer kleinere Pakete schnüren. Das verlängert zum einen den Ablauf und ist zum anderen für Bauunternehmen wenig attraktiv.“ Ein Ziel sei es deshalb, nicht nur viele Straßen rechtzeitig zu erhalten, sondern die Arbeiten auch in größeren Abschnitten zu erledigen.

So ähnlich wie jetzt bei der B101 in Meißen. Viele fluchten über die Erneuerung, so Holger Wohsmann. Er habe aber auch schon Lob gehört: „Da sagen die Leute: Zum Glück macht ihr gleich eine längere Strecke. Das tut zwar im Moment weh, doch dann ist es auch für lange Zeit überstanden.“