"Es geht nicht um Größe, sondern um Qualität"

Das Weingut Schloss Proschwitz verpachtet Rebflächen und will die Zahl seiner Standorte reduzieren. Alle Anstrengungen gelten der Qualität der Weine, sagt Georg Prinz zur Lippe.

„Es geht nicht um Größe. Es geht um Qualität.“ Mit dieser Devise will Georg Prinz zur Lippe sein Weingut Schloss Proschwitz in die Zukunft führen. Statt großflächiger Aufrebungen sind Investitionen in Technik, Gebäude und die Qualität der Weine geplant. Statt drei soll Sachsens größtes privates Weingut künftig nur noch zwei Standorte im Umland von Meißen haben.

Den geplanten Rückzug vom Winzerhof in Zadel verkündete Georg Prinz zur Lippe anlässlich der 2018er Hausmesse der Presse. Nicht von jetzt auf gleich, sondern Schritt für Schritt wolle man sich aus Zadel zurückziehen und ganz auf das Proschwitzer Schloss und die Kellerei im benachbarten Ockrilla konzentrieren.

Schloss Proschwitz, das dem Weingut seinen Namen gibt, solle zum „Schaufenster“ des Unternehmens ausgebaut werden. Derzeit finden dort zwar viele Kulturveranstaltungen statt. Darüber hinaus gibt es jedoch kaum ständige Angebote in Sachen Wein. „Nach wie vor haben wir den Plan, im Kutscherhaus des Schlosses unsere neue Vinothek zu eröffnen“, so Georg Prinz zur Lippe. Dass er bislang noch nicht umgesetzt wurde, liegt an Bauvorbereitungen, die sich als komplizierter erwiesen, als zunächst gedacht. „Der Denkmalschutz hat mitzureden.“

Langfristiges Ziel sei es, im und am Schloss Proschwitz den Weinbau und seine Produkte erlebbar zu machen. Zur Vinothek könnten zum Beispiel Schaukeller und eine Schaubrennerei kommen. „Wir werden dabei keine Konzepte von anderen Weingütern kopieren, sondern unseren eigenen Weg gehen“, sagt Georg Prinz zur Lippe.

Der heißt für den Zadeler Winzerhof „Verkauf“. „Dabei haben wir aber keinen Zeitdruck. Wir wollen einen Käufer finden, der das Ensemble erhält und pflegt.“ Dazu gehört die Zadeler Kellerei. Das Weingut Schloss Proschwitz hat einen großen Teil seiner Kellerarbeiten schon vor längerer Zeit in eine neu gebaute Anlage im Gewerbegebiet von Ockrilla verlegt. Langfristig soll sie zur einzigen Kellerei der Proschwitzer werden.

Mehrere Gründe sprächen dafür, so Georg Prinz zur Lippe. Zum einen die Konzentration der Mitarbeiter an einem Standort, zum anderen die Größe der Ockrillaer Anlage. „Wir haben sie mal gebaut, um dort die Weine aus Thüringen keltern zu lassen. Seit wir uns von dort zurückgezogen haben, sind Kapazitäten frei.“ Dazu komme die günstigere Lage: Die Zadeler Kellerei liegt mitten im Dorf, Lärm ist dort gerade in der Erntezeit ein Problem. Anders ist es im Ockrillaer Gewerbegebiet. Dort kann auch rund um die Uhr gearbeitet werden.

Die geplanten Umzüge änderten nichts daran, dass das Weingut Schloss Proschwitz inzwischen seine „Idealgröße“ gefunden habe, sagt Pressesprecherin Alexandra Prinzessin zur Lippe. Die rund 80 Mitarbeiter des Guts bewirtschaften circa 80 Hektar Rebfläche und sorgen für den Vertrieb der Weine und Sekte unter den Marken „Weingut Schloss Proschwitz“ und „Weinhaus Prinz zur Lippe“. Rund 400.000 Flaschen werden jährlich produziert.

Deutlich mehr sollen es auch nicht werden. 18 Hektar Rebfläche, auf denen die Proschwitzer bislang Trauben für das Staatsweingut Schloss Wackerbarth produzierten, fallen nach dem Auslaufen des entsprechenden Vertrages nun eigentlich wieder zurück, sollen jedoch an neue Interessenten verpachtet werden. „Für uns macht es keinen Sinn, noch deutlich mehr Wein herauszubringen“, so Georg Prinz zur Lippe. Der Markt solle nicht mit Proschwitzer Weinen geflutet werden. „Wir werden die frei werdenden Flächen nicht verkaufen, aber verpachten.“ Es gäbe dafür bereits mehrere Interessenten.

Man müsse nicht der Größte sein, sondern zu den Besten gehören: Diese Erkenntnis sei noch durch den Dimethoat-Skandal gestärkt worden, der 2016 den sächsischen Weinbau erschütterte. „Dadurch sind uns wichtige Abnehmer verloren gegangen. Wir haben gemerkt, wie dünn das Netz sein kann, das uns trägt“, sagt Alexandra Prinzessin zur Lippe. Rückblickend hält Georg Prinz zur Lippe die Funde von Pflanzenschutzmittel-Rückständen in sächsischen Weinen für ein Ereignis, das die Winzer im Anbaugebiet um Jahre zurückgeworfen habe. „Es war eine Katastrophe für alle sächsischen Winzer – auch solche wie uns, die nichts mit den Funden zu tun hatten.“ Abnehmer außerhalb Sachsens hätten besonders empfindlich auf die Schlagzeilen reagiert. „Uns sind Umsätze in Größenordnungen verloren gegangen.“ Ob gestörte Geschäftskontakte jemals wieder aufgenommen werden könnten, sei offen.

Damit kommen Georg Prinz zur Lippe und der Proschwitzer Kellermeister Jacques du Preez zum Thema Qualität. Schloss Proschwitz ist Mitglied im Verband der Prädikatsweingüter VdP, seine Weine gelten als überregional bekannte Aushängeschilder für den sächsischen Weinbau. „Es geht uns darum, eine wiedererkennbare Stilistik für sächsische Weine zu schaffen“, so Jacques du Preez. Filigrane Säure, klare Primäraromen, ein gut herausgearbeitetes, unverwechselbares Terroir: So sollen die Weine von Schloss Proschwitz schmecken. Bei nationalen und internationalen Verkostungen werden viele von ihnen als gut bis herausragend bewertet. Der 2017er Jahrgang, der ab Sommer abgefüllt wird, sei ebenfalls schon vielversprechend, sagt der Kellermeister.