Radwegenetz im Landkreis wächst nur langsam

An der Elbe ist der Radweg gut ausgebaut, doch auf den Kreisstraßen leben Radler noch gefährlich Foto: Archiv

Mit touristischen Radrouten ist der Kreis Meißen gut ausgestattet. Jetzt soll das Netz von "Alltags-Radwegen" an den Kreisstraßen ausgebaut werden – doch das braucht viel Zeit.

Die „Mobilität der Zukunft“ ist nicht nur Thema der Großstädte. Dieselruß und volle Straßen gibt es auch in Landkreisen. Doch wer mehr Leute zum Umsteigen vom Autositz auf den Fahrradsattel bewegen will, muss erst einmal Radwege bauen – so wie es jetzt der Landkreis Meißen plant.

Was die touristischen Radrouten angeht, ist der Kreis gut aufgestellt. Fast 800 Kilometer Radwege sind markiert. Dazu zählen neben dem Elberadweg, der touristischen Hauptstrecke des Landkreises, vor allem Wege, auf denen Besucher weitere Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten erreichen können. Für tägliche Schul- und Arbeitswege sind diese Routen eher nicht eingerichtet.

Der Mangel an „Alltags-Radwegen“ ist nun Thema für den Meißner Kreistag. Der Bau von Radwegen an Kreisstraßen sei unbestritten dringlich, heißt es von der Kreisverwaltung. Doch um dafür Fördergeld zu bekommen, braucht der Landkreis erst einmal eine offizielle „Radverkehrskonzeption“.

Solch ein Papier gibt es bislang nur für das Gebiet des Altkreises Riesa-Großenhain. Geschrieben wurde es vor über zehn Jahren, es gilt als überholungsbedürftig. Doch die Vorarbeit in Sachen Radverkehr zahlt sich offenbar aus. Im nördlichen Kreisgebiet wurden und werden aktuell bereits Radwege an Kreisstraßen gebaut. Langsam, aber stetig wächst das Netz: zum Beispiel zwischen Großenhain und Kleinthiemig, zwischen Riesa und Nickritz und ab dem kommenden Jahr zwischen Röderau und Zeithain.

Das südliche Kreisgebiet um Meißen soll dagegen erst ab 2019 neue Radwege an Kreisstraßen bekommen. Hier gibt es aber bereits drei konkrete Bauvorhaben. Der Technische Ausschuss des Kreistags beschließt Ende August über ihre Aufnahme in die Finanzplanung des Kreises.

Projekt Nummer Eins ist der Bau eines Radwegs an der Zaschendorfer Straße in Meißen. Zwischen Kalkberg und Heinrich-Heine-Straße erwartet man für die nächsten Jahre eine Zunahme des Radverkehrs. Die Strecke ist Teil der künftigen neuen Staatsstraße 84, die Meißen rechtselbisch mit Coswig, Radebeul und Dresden verbindet. Außerdem führt sie von der Meißner Innenstadt zum Industriegebiet Ost, wo viele Menschen arbeiten.

Bauprojekt Nummer Zwei ist ein neuer Radwege von Ockrilla über Gröbern nach Niederau. Hier hat, wie auch in Meißen, die Gemeinde Bedarf angemeldet – vor allem weil viele Schulkinder zwischen den drei Orten per Fahrrad unterwegs seien. Die Grundschule in Niederau ist ihr Ziel.

Eigentlich müsste der Radweg sogar bis nach Weinböhla geführt werden, argumentiert Niederaus Bürgermeister Steffen Sang. Dort liegt die Oberschule, in der viele Niederauer Kinder lernen. Dass die Strecken zwischen Ockrilla, Gröbern, Niederau und Weinböhla für Radler gefährlich sind, lässt sich an jedem beliebigen Werktag beobachten. Nicht nur Autofahrer haben sie als Schleichwege für sich entdeckt. Auch schwere Lkw fahren über die engen Straßen.

Um mehr Sicherheit vor allem für Schulkinder geht es auch beim Radwege-Bauvorhaben Nummer Drei. In der Gemeinde Klipphausen soll ein neuer Radweg zwischen Naustadt und Ullendorf gebaut werden. In Naustadt wurde mit Beginn dieses Schuljahres die neue Evangelische Oberschule eröffnet. 2019 soll sie nach Ullendorf umziehen. Auch dort wird man also bald mehr Radler auf der Kreisstraße sehen – oder wenn rechtzeitig gebaut werden kann auf dem sicheren Radweg neben der Straße.

Dafür muss jetzt aber zunächst die Verwaltung arbeiten. Am neuen Radverkehrskonzept für das gesamte Kreisgebiet: Ohne dieses Papier wird der Freistaat keine Fördermittel für den Radwegebau bewilligen. Man habe bereits Angebote spezialisierter Ingenieurbüros eingeholt, heißt es aus dem Landratsamt. Im kommenden Jahr beginne die Arbeit am Radverkehrskonzept.